Infestation

Von  //  9. Februar 2011  //  Tagged: ,  //  2 Kommentare

Für den Twen Cooper (Chris Marquette) ist es nicht gerade ein Glückstag. Gerade am Arbeitsplatz angekommen, wird ihm die unangenehme Nachricht überbracht, das er fristlos gekündigt wird. Doch noch im Büro seiner Chefin wird dieses Problem zur Lappalie: ein ohrenbetäubendes Geräusch zwingt sämtliche Menschen in die Knie und lässt sie in Ohnmacht fallen. Als Cooper aufwacht, ist er in einem Netz verpuppt, mehrere Tage sind vergangen. Kurz nachdem er sich aus dem Netz befreit hat muss er den Angriff eines gigantischen Käfers von der Größe eines ausgewachsenen Mannes abwehren. Gute Filme über Menschen vertilgende Monster-Insekten gibt es ja grundsätzlich viel zu selten. Seit das Subgenre in den 50er-Jahren seinen Höhepunkt erreichte (sowohl was Output als auch was handwerkliche Qualität anbelangt) versumpfte es anschließend in B- und C-Movie-Gefilden – in Filmen also, die zu oft hinter den Möglichkeiten zurück bleiben denn ein gewisses Budget braucht es schon, um die Viecher zum Leben zu erwecken.

Die Slacker-Horrorkomödie „Infestation“ macht dabei aber vor, das ein schmal abgesteckter Rahmen ausreicht, widmet man sich mit genug Hingabe dem Sujet. Und eben diese bringt Nachwuchsregisseur Kyle Rankin ausreichend mit: Zudem begeht er nicht den Fehler, jeden Aspekt seines Films zu vertrashen sondern nimmt die Bedrohung und die zahlreichen Gefahrensituationen sehr ernst, nie überlappt die Ironie den Spannungsgrad, der dank einer zielgerichteten und temporeichen Exposition sehr hoch ausfällt. Auch wenn der Vergleich vollmundig klingt: In Sachen Wortwitz und liebevoller Charakterzeichnung kann es diese feine Genreperle durchaus aufnehmen mit kenntnisreichen Hits wie SHAUN OF THE DEAD und auch der Feuertaufe wiederholter Sichtungen hält sie mühelos stand. Die DVD von Capelight ist technisch einwandfrei geraten und bietet neben einem eher weniger interessanten Making Of einen ausgewogenen Audiokommentar, der informativ und unterhaltsam zugleich ist. Klare Empfehlung, nicht nur für Genre-Puristen.

USA 2009 / Regie: Kyle Rankin

zuerst erschienen in: Deadline #24

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Über den Autor

Aufgewachsen inmitten der pulsierenden Film-Metropole Merkstein/Rheinland mit ihren schillernden Kino-Palästen, umgeben von hochkarätigen Stars, Regisseuren und Filmkritikern blieb Marco Siedelmann nicht viel anderes übrig, als selbst Filmjournalist zu werden. Er schreibt u. a. für critic.de, deadline und negativ.

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2 Kommentare zu "Infestation"

  1. Marco Siedelmann 4. Mai 2011 um 15:54 Uhr · Antworten

    „Im Land der Raketenwürmer“ – ich find den deutschen Titel wirklich geil – steht bei mir noch sehr weit höher, was meine Begeisterung für „Infestation“ jetzt aber nicht schmälern soll. Der erste Tremors ist für mich schlichtweg ein Lieblingsfilm, der mir viel bedeutet.

  2. Eckhard Heck 6. April 2011 um 13:48 Uhr · Antworten

    Zustimmung von meiner Seite. Infestation ist wirklich „very lovely“. Genrebedingt ist die Handlung zwar recht durchschaubar, aber das trübt nicht den Spass, da sich viel Gutes auf der Ebene der Dialoge und der Charakterzeichnung abspielt. Und dann gibt es doch noch buchstäblich in der letzten Sekunde eine Überraschung.
    Infestation ist geradezu dafür präsentiert ihn ab und an wieder aus der Schublade zu holen und steht für mich auf dem Treppchen gleich neben „Im Land der Raketenwürmer“.

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