Cabin Fever 2

Von  //  3. Februar 2011  //  Tagged:  //  Keine Kommentare

Eiter, Schleim und Gekröse. Nein, das Sequel zu Eli Roths Debüt-Knaller ist kein Film für Schöngeister geworden und dürfte sein Publikum noch heftiger spalten als sein Vorgänger. Doch gewiss ist CABIN FEVER 2:  SPRING FEVER die schönste Sauerei seit langer Zeit und funktioniert in seiner irritierenden Mischung aus groteskem Splatter-Slapstick und wirklich unangenehm anmutenden Details ausgesprochen gut, was vor allem in Hinblick auf die zweifelhaften Produktionsumstände eine mittelgroße Überraschung ist. Regisseur Ti West, verantwortlich für den ungleich besseren THE HOUSE OF THE DEVIL und wohl eine der Hoffnungen für das Genre schlechtin, zeigte sich unzufrieden: Nachdem der fertige Film lange Zeit eingefroren war, wurde er nachträglich massiv umgeschnitten. Diese Unebenheiten sind dann aber kaum zu spüren: Die wunderbar naive und geradlinig abgespulte Handlung verfolgt den Weg des im ersten Teil verseuchten Wassers und erzählt sowohl Vorgeschichte als auch den Epilog in herrlich infantilen Zeichentrickbildern. Das Wasser kommt schließlich an einer Highschool wie aus dem Bilderbuch an und verbreitet in Windeseile die totbringende Seuche. Die anstehende Prom Night wird zum grausigen Alptraum – und parallel zum Ausbruch der Krankheit rückt eine gesichtslose Spezialeinheit an, um die Schule abzuriegeln und alle Infizierten gnadenlos auszumerzen. Mit unzähligen Zitaten gespickt tobt sich der Film in heftigster Weise aus, wie man es sonst nur vom Kult-Label Troma gewohnt ist. Jedenfalls übersteigen die gekotzten Blutfontänen, vereiterte Dödel in Großaufnahme und eine unappetitliche Geburt die Konventionen eines Direct-to-DVD-Sequels deutlich. In nahezu cartoonesker Atemlosigkeit hetzt West von einer Geschmacklosigkeit zur anderen und ist sich für keinen Tabubruch zu schade. Trotz dieser schnellen und überwiegend auf ihre Oberflächenreize beschränkten Machart besticht der Film durch eine seltene Konsequenz in der Vermischung absurder Gags und morbider Horrorszenarien. Eine ausgesprochene Empfehlung – aber nur für die Mutigen.

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Über den Autor

Aufgewachsen inmitten der pulsierenden Film-Metropole Merkstein/Rheinland mit ihren schillernden Kino-Palästen, umgeben von hochkarätigen Stars, Regisseuren und Filmkritikern blieb Marco Siedelmann nicht viel anderes übrig, als selbst Filmjournalist zu werden. Er schreibt u. a. für critic.de, deadline und negativ.

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