Die Straße

Von  //  3. Februar 2011  //  Tagged: ,  //  Keine Kommentare

Die siebenteilige TV-Mini-Serie DIE STRAßE, eine “Spielserie über gefährdete Jugendliche“, polarisierte nach ihrer Erstausstrahlung großflächig Publikum und Kritik. Jede Episode widmet sich dem Einzelschicksal eines Mitglieds der Devils (unter ihnen auch der blutjunge Uwe Ochsenknecht in einer frühen Rolle), eine Rocker-Clique, die in ihrer Münchener Nachbarschaft verrufen ist und gemieden wird. Ein tapferes Sozialarbeiter-Ehepaar will sich endlich gegen die sesselfurzenden Bürokraten durchsetzen und eröffnet trotz heftiger Bedenken des Gemeinderats ein Jugendheim für die problematischen Heranwachsenden, die hier auf verständnisvolle Typen treffen und sowohl Biere zischen als auch die Mofas laut aufröhren lassen dürfen. In ihrer rührend ernst gemeinten Pädagogik ist die Serie ganz in den Gedanken ihrer Entstehungszeit verhaftet: Hier wird in die Hände gespuckt und was getan gegen „die da oben“.

Antiautoritäres Auftreten und allseits gepredigtes Verständnis für die schwierigen Lebensbedingungen der Rocker ermöglichen den Sozialarbeitern Hanno (Claus Theo Gärtner) und Katrin (Johanna Mertinz) einen Zugang zu finden und den Jugendlichen Werte ganz dufte und nebenbei zu vermitteln. Trotz dieser ist Betroffenheitseinstellung (die aber nie in blanken Kitsch ausartet) ist DIE STRAßE heute vor allem eine vergnügliche Reise in die Vergangenheit des deutschen Fernsehens – in eine Zeit, als TV-Produktionen noch wesentlich näher an den Kino-Vorgaben inszeniert waren. Dies betrifft nicht nur die soliden darstellerischen Leistungen sondern ebenfalls einige aufwendige Massenszenen (z.B.eine groß angelegte Schlägerei plus Polizeieinsatz) und den flotten Soundtrack, der mit zeitgenössischen Hits sehr abwechslungsreich zusammengestellt wurde. Durch den nüchtern vorgetragenen Off-Kommentar, der jede Episode mit der Vorstellung eines Devils einläutet, entsteht eine ungewollte Nähe zum deutschen Reportfilm, dessen Voyeurismus ersetzt wurde durch eine stringente Narration, der mitunter unfreiwillig komische Charme bleibt aber erhalten.

Deutschland 1978 / Regie: Hans-Werner Schmidt

zuerst erschienen in: Deadline #19

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Über den Autor

Aufgewachsen inmitten der pulsierenden Film-Metropole Merkstein/Rheinland mit ihren schillernden Kino-Palästen, umgeben von hochkarätigen Stars, Regisseuren und Filmkritikern blieb Marco Siedelmann nicht viel anderes übrig, als selbst Filmjournalist zu werden. Er schreibt u. a. für critic.de, deadline und negativ.

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