Gamer

Von  //  3. Februar 2011  //  Tagged: ,  //  Keine Kommentare

Das Regie-Duo Neveldine/Taylor hat bereits mit dem Highspeed-Actioner CRANK und der nicht minder durchgedrehten Fortsetzung HIGH VOLTAGE souverän deutlich gemacht, was postmodernes Actionkino zu bedeuten hat. Der atemberaubend schnell abgespulte Plot, der erst in der zweiten Hälfte annähernd konventionelle Muster annimmt, integriert Bewegung und drastisches Sterben auf wohl noch nie dagewesene Weise. Gleiches gilt für die fast schon unangenehm scharfen Digitalbilder, in die diese filmische Splittergranate gehüllt ist: Anders als in videoclipartiger Hektik und nervösen Kameraschwenks könnte GAMER kaum erzählt werden. Gerald Butler schießt und prügelt sich als John „Kable“ Tillman durch einen futuristischen Ego-Shooter, in dem Todesstrafenkandidaten als Avatare herhalten und gut betuchte Zocker mal richtig Krieg spielen können.

Den visionären Sci-Fi-Roman „Die Drei Stigmata des Palmer Eldritch“ von Kultautor Philip K. Dick scheinen die vielversprechenden Nachwuchsregisseure auch gelesen zu haben, finden sich in Methoden und Zielen des größenwahnsinnigen Game-Entwicklers Ken Castle (Michael C. Hall, DEXTER) doch sehr auffällige Parallelen. Von dessen Allmachtsphantasien können Bond-Schurken indes nur träumen. Neben dem ultrabrutalen Killerspiel gibt es noch den Vorläufer „Society“, in dem sich Kables hübsche Frau (Amber Valletta) prostituieren muss – ebenfalls als Avatar, gesteuert von einem bewegungsunfähigen Fettsack, der wie eine ganze Generation vor dem Bildschirm vergammelt.

Detailversessen brennt GAMER ein wahres Feuerwerk ab, wartet mit geschmacklosen Gags ebenso unvermittelt auf wie er immer wieder neue druckvolle Spannungsmomente etabliert. Um den nach Luft japsenden Zuschauer in den Sessel zu pressen benötigt der Film keine überkompliziert gestrickten Twists und macht auch aus seiner schwarz/weißen Figurenzeichnung keinen Hehl. Neveldine und Taylor ist es gelungen, einen originären Stoff auf seine Essenz zu reduzieren, weshalb die Laufzeit nur so vorbei fliegt.

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Über den Autor

Aufgewachsen inmitten der pulsierenden Film-Metropole Merkstein/Rheinland mit ihren schillernden Kino-Palästen, umgeben von hochkarätigen Stars, Regisseuren und Filmkritikern blieb Marco Siedelmann nicht viel anderes übrig, als selbst Filmjournalist zu werden. Er schreibt u. a. für critic.de, deadline und negativ.

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