The Crew

Von  //  3. Februar 2011  //  Tagged: ,  //  Keine Kommentare

Bild: Kinowelt Home Entertainment

Adrian Vitorias zweiter Kinofilm THE CREW ist ein weiterer kaltschnäuziger britischer Gangster-Krimi. Der autoritär auftretende Ged Brennan (Scot Williams) will die Liverpooler Unterwelt verlassen, sich mit Immobiliengeschäften und einem letzten großen Ding den Lebensabend versüßen: Natürlich kommt es zum Konflikt mit der skrupellosen nächsten Generation, verkörpert durch Geds jüngeren Bruder Ratter (Kenny Doughty), und mit der Konkurrenz, vertreten durch die bösen Serben. Der mitunter schonungslos brutale Film profitiert von hervorragend besetzten und glaubwürdig agierenden Darstellern, kann aber innerhalb des Genres keine neuen Akzente setzen. Zu ausgetreten sind die Pfade die hier beschritten werden, denn die schematische und wenig aufregende Geschichte kreist stets um genretypische Schlagworte wie Freundschaft, Ehre, Loyalität, Respekt oder “alte Werte“ und hält dabei den Mythos vom aufrichtigen Gangster mit Ethik aufrecht.

Nach einem schnellen und schnittig gefilmten Beginn flacht die umständliche Erzählung mehr und mehr ab und versperrt mit einer unterkühlten Ästhetik und unsympathischer Figurenzeichnung jeden emotionalen Zugang zum Geschehen. Der Zuschauer bleibt stets außen vor und wird niemals in die moralisch ambivalente Welt gezogen, die nach gängigem Muster gestaltet ist. Die vermeintlich clever inszenierte Auflösung, die alle Unklarheiten beseitigt und in der alle Schlüsselszenen ineinander greifen, entlockt dementsprechend nicht mehr als ein müdes Lächeln. Sämtliche Frauenrollen werden ebenso verkokst wie verkorkst angelegt und untermauern weiter das misogyne, eindimensionale Weltbild des Genres. Lediglich Rory McCann bleibt als skurriler gutmütiger Schläger Moby in Erinnerung, dessen spleeniger Charakter schon fast einem Guy Ritchie Film entsprungen scheint. THE CREW versandet irgendwo zwischen dessen überzeichneter Coolness und den neu geschaffenen Realismus-Ansprüchen des britischen Genrefilms, steht daher eher unentschlossen zwischen den Stühlen.

GB 2008 / Regie: Adrian Vitoria

zuerst erschienen in: Deadline #18


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Über den Autor

Aufgewachsen inmitten der pulsierenden Film-Metropole Merkstein/Rheinland mit ihren schillernden Kino-Palästen, umgeben von hochkarätigen Stars, Regisseuren und Filmkritikern blieb Marco Siedelmann nicht viel anderes übrig, als selbst Filmjournalist zu werden. Er schreibt u. a. für critic.de, deadline und negativ.

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