Brutal schön – Valhalla Rising

Von  //  9. April 2011  //  Tagged: , , ,  //  2 Kommentare

Valhalla Rising – ein bildgewaltiges Meisterwerk von Nicolas Winding Refn. Mads Mickelsen spielt einen einäugigen Wikinger (ja, mit den Augen hat er es seit Casino Royal irgendwie) auf dem Weg nach Hause. „Nach Hause“, das bedeutet für den Einäugigen schlicht, die eigene Bestimmung zu erfüllen. Wer sich ihm in den Weg stellt, wird beseitigt, wer dazu vorgesehen ist, ein Stück des Weges mit ihm zurück zu legen, wird toleriert. Da der Einäugige mit schlafwandlerischer Sicherheit sein Ziel verfolgt, nicht spricht und auch jede andere Form von Kommunikation verweigert, stellt er für seine Gegner, Mitreisende und Anhänger eine Projektionsfläche für ihre Ängste, Wünsche und Überzeugungen dar. Sie sind auf der Suche nach Reichtum, Ruhm oder dem heiligen Land, doch in Gegenwart des Einäugigen ereilt sie unweigerlich ihr zumeist letales Schicksal. Und zwar nicht im von der Reisegruppe angesteuerten Jerusalem, sondern in Amerika.

Valhalla Rising ist im Vergleich zu den Filmen, die mich sonst begeistern, ultrabrutal. Aber die Gewalt, das Blut, die Innereien und die Härte sind nötig, um das Bild der rohen, martialischen, erbarmungslosen Welt zu entwerfen, in der die Geschichte des Einäugigen und seiner Begleiter angesiedelt ist. Das Gegengewicht bilden die unglaublichen Landschaftsaufnahmen (gedreht in den schottischen Highlands). Die Natur ist die eigentliche Hauptdarstellerin des Films, sie stößt die Figuren ab, lässt sie abprallen und umfängt sie zugleich. Nicolas Winding Refn zeigt erhabene Szenerien, grandiose Formationen, üppige und zugleich karge Vegetation. Die Atmosphäre ist mal undurchdringliche, mal klar oder rauh, das Wasser ist süß, salzig, giftig und lebenswichtig. Der Film nimmt sich für jede dieser Facetten Zeit.

Genauso viel Raum bekommt die Spannung zwischen den Figuren. Sie warten, belauern sich, warten, brechen plötzlich aus, warten. Einzig der Einäuge reagiert nicht, sondern agiert, selbst wenn er vollkommen still hält. Letztlich passiert nicht viel in diesem Film, aber alles, was geschieht, ist bis ins letzte durchkomponiert. Die Drone-Klänge von Peter Kyed und Peter Peter vervollständigen das Konzept. Wer sich gerne auf sperrige Filme einlässt, sich von langsamer Kameraführung nicht gleich gelangweilt fühlt und nicht allzu zart besaitet ist, kann sich auf ein synästhetisches Erlebnis freuen.

Dänemark/Großbritannien 2009, Regie: Nicolas Winding Refn

Diese Rezension wurde auf www.frausuk.de erstveröffentlicht.


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Über den Autor

Bianca Sukrow, geb. in Aachen, ist Literaturwissenschaftlerin, Mitgründerin des Leerzeichen e.V., freie Lektorin und Journalistin. Im persönlichen Umgang ist sie launisch, besserwisserisch und pedantisch.

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2 Kommentare zu "Brutal schön – Valhalla Rising"

  1. Frau Suk 13. April 2011 um 00:42 Uhr · Antworten

    Ich glaube, dann muss ich mehr Filme mit „V“ gucken. Wobei das natürlich nur mit den Originaltiteln funktioniert. Im Deutschen heißt „Valhalla Rising“ „Walhalla Rising“.

    Im Übrigen finde ich es interessant, wenn auch eine Landschaft mal etwas darstellen darf, das sie nicht ist (Schottland spielt hier Amerika. Ob es ein guter Schauspieler ist, sei dahin gestellt. Ich hab es sofort erkannt. Aber der gute Wille und das schöne Ergebnis zählen.)

  2. Alex Klotz 9. April 2011 um 17:05 Uhr · Antworten

    Absolute Zustimmung! Fabelhafter Film. Die beeindruckenden, „feindseligen“ Landschaftsaufnahmen kommen in letzter Zeit häufiger zur Geltung, u.a. auch in VAN DIEMEN’S LAND und VINYAN…interessanterweise fangen alle diese Filme mit „V“ an…

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