The Magical Ring

Von  //  7. Juni 2011  //  Tagged:  //  Keine Kommentare

Der früheste filmische Gehversuch des ehemaligen Friseurs Gerard Damiano, der meines bescheidenen Wissens nach die Zeit überdauert hat und vom verdienstvollen Label Something Weird Video ausgegraben wurde. Zwar in einer unzumutbaren Qualität, aber immerhin. Die Handlung ist schnell erzählt: Unsere Heldin (Tina Russell) ist im Park nett zu einem hungrigen Bettler (unter heftiger Schmutzkruste kaum zu erkennen: der Regisseur selbst in einem hitchcockchen Cameo), der ihr aus Dankbarkeit einen magischen Ring schenkt. Zuhause wird das Ding flugs ausprobiert und die sexuell frustrierte junge Dame erfüllt sich ihre intimsten Wünsche.

Wie beim Frühwerk eines jeden markanten Autorenfilmers lassen sich natürlich auch in diesem Schnellschuss einige Muster erkennen, die später erst wirklich Gestalt annehmen konnten. Da wäre beispielsweise die an einer Depression leidende weibliche Hauptfigur, die in folgenden Großtaten wie The Devil in Miss Jones oder auch For Richer, For Poorer ebenfalls eine entscheidende Rolle spielen sollte. Außerdem Damianos Hang dazu, eine brauchbare Geschichte zu erzählen, sei sie auch noch so spartanisch und unbeholfen. Das Fantasygenre avancierte zu einem der favorisierten Felder Damianos, der darin offenbar die ideale Plattform sah, mit Bruchstellen zwischen Realität und Imagination zu arbeiten. Ein Spannungsfeld, aus dem ein Großteil der späteren Werke ihr Konfliktpotential beziehen. Drei Nummern ohne Unterbrechung füllen einen Großteil der Laufzeit, die Frau ist eben ausgehungert und braucht es ausgiebig.

In der ersten Sequenz vergnügt sie sich mit Shaun Costello, der hier in einem seiner allerersten Auftritte zu sehen ist – stilecht mit pornöser Rotzbremse – und selbst sowohl als Darsteller (etwa im legendär fiesen Forced Entry) als auch als Regisseur (Dominatrix without Mercy) oft in den härteren Genrefilmen in Erscheinung treten sollte. Costello mag ihre Füße und kümmert sich liebevoll um sie. Ist die Lust erst geweckt, weitet die Heldin das Vergnügen auf einen Dreier aus, der tatsächlich auch ihre und nicht die Befriedigung des Mannes in den Mittelpunkt stellt. Zuletzt spielt eine Peitsche mit und der devot auftretende Jason Russell, der auch einen Miniauftritt als „Second Rapist“ im hervorragenden The Defiance of Good zu verzeichnen hat. Was für eine stolze Karriere. Die Peitsche kommt aber nicht zum Einsatz, soll wohl eher SM- und Bondage-Gelüste ankitzeln.

Eine Empfehlung lässt sich letztlich nur beinharten Komplettisten und Pornohistorikern aussprechen. Abgesehen vom wirklich schäbigen Filmmaterial bietet dieser vergilbte Streifen wenig Anreiz, sich heute noch eingehender mit ihm zu beschäftigen. Nachdem die Geschichte erzählt und das unter freiem Himmel gedrehte Opening durch ist verbringt der restliche Film in einer kleinen Wohnung, von der dank Großaufnahmen beinahe in Ausschließlichkeit nichts weiter zu sehen ist. Auf Ortswechsel oder eine Weiterführung der ersten und einzigen Plotidee wartet man vergeblich. The Magical Ring stammt aus einer Zeit, in der nur wenig Ehrgeiz oder technisches Know-How in Pornos gesteckt wurde, die als reine Gebrauchsware in schmierigen kleinen Schuppen ihre Aufführungen bestritten. Diese Achtlosigkeit und schnelle Produktionsweise sieht man dem fertigen Film zwar in jeder Szene an – aber es schwingt eben auch mit, das es nicht dabei bleiben sollte.

USA 1971 / R: Gerard Damiano

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Über den Autor

Aufgewachsen inmitten der pulsierenden Film-Metropole Merkstein/Rheinland mit ihren schillernden Kino-Palästen, umgeben von hochkarätigen Stars, Regisseuren und Filmkritikern blieb Marco Siedelmann nicht viel anderes übrig, als selbst Filmjournalist zu werden. Er schreibt u. a. für critic.de, deadline und negativ.

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