DVD: New Kids Turbo

Von  //  18. September 2011  //  Tagged: , ,  //  5 Kommentare

Fünf holländische Vollprolls aus dem unbekannten Kaff Maaskantje, das sind die New Kids. Nach einem Beginn als kurze Sketch-Show dauerte es nicht lang, bis Gerrie, Rikkert und wie sie alle heißen, sich durch schweinemäßig unkorrekten, grenzenlos asozialen und niveaulosen Humor zu absoluten Kult-Stars aufschwingen konnten, die natürlich besonders in unserem schönen Grenzland wahrgenommen wurden, wo man den gemeinen Holländer und sein Verhalten in freier Wildbahn (auf der Straße, im Supermarkt oder gar im eigenen Revier) noch kennt.

New-Kids-Partys vom Peppermill bis hin zur Rockfabrik waren die Folge, was Kulturpessimisten natürlich schnell auf den Plan gerufen hat. Nicht gerade überraschend, schmeißt man doch nur so mit Schimpfwörtern, Behindertenverhöhnungen und homophoben Beleidigungen um sich, die Gags sind schmerzhaft, blutig, platt, infantil, dem reinsten Selbstzweck verpflichtet und können selbst von einem Publikum verstanden werden, das den New Kids in IQ und Weltanschauung gleicht. Bedenklich, das stimmt. Glücklicherweise hat man das Potential dieser Anarchos erkannt und ihnen knappe zwei Millionen Euros zum Verpulvern gegeben.

Ein Film ist dabei rausgekommen, der den üblichen Kriterien, anhand derer man einen solchen beurteilen kann, ziemlich vollständig über Bord wirft und der anhand einer scherzhaft skizzenhaften Handlung ein wahres Feuerwerk des Wahnsinns abbrennt. Irgendwie geil, auch wenn man sich vorher nicht anfreunden konnte mit dem doch gewöhnungsbedürftig einfachen und direkten Auf-die-Fresse-Witz und den grell überzogenen Slacker-Figuren, die nicht viel zu tun haben außer Bier zu schlürfen, mit dem grünen Manta durch die Gegend zu heizen und sich dabei von frühem Happy Hardcore bedröhnen zu lassen.

Die Jungs verlieren allesamt gleichzeitig ihren jeweiligen Job, allesamt aus dem gleichen Grund: Sie lassen einfach keinen Stein auf dem anderen und kriegen nichts hin. Wie es der Zufall so will, verlieren sie auch ihren Wohnsitz und landen allesamt beim Kopf der Truppe. Da es kein Geld vom Staat gibt, beschließen die New Kids ganz einfach, auch für nichts mehr zu zahlen. Wem das nicht passt – etwa einem gutmütig-schüchternen Dorfpolizisten – der kriegt’s aufs Maul. Überragend, das der Film niemals das wahnwitzige Selbstverständnis seiner Protagonisten aufbricht und diese letztendlich sogar erfolgreich gegen die Regierung in den Krieg ziehen lässt. Muss man sehen (allein um es zu glauben).

NL 2010 / Regie: Steffen Haars & Flip Van der Kuil

Text ist zuerst erschienen in: Moviebeta 05/11

Die deutsche DVD wird vom Major Universum vertrieben, ist allerdings um einen stereotypen Nazischerz bereinigt und verwendet zum Schluss einen zeitgemäßeren Scooter-Song statt wie im Original den wesentlich authentischeren Prollgott Paul Elstak erklingen zu lassen.

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Über den Autor

Aufgewachsen inmitten der pulsierenden Film-Metropole Merkstein/Rheinland mit ihren schillernden Kino-Palästen, umgeben von hochkarätigen Stars, Regisseuren und Filmkritikern blieb Marco Siedelmann nicht viel anderes übrig, als selbst Filmjournalist zu werden. Er schreibt u. a. für critic.de, deadline und negativ.

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5 Kommentare zu "DVD: New Kids Turbo"

  1. Stefan 24. September 2011 um 18:44 Uhr · Antworten

    Elstak –> <3

  2. Marco Siedelmann 19. September 2011 um 17:38 Uhr · Antworten

    @Luzifus: Es geht aber um die holländische Unterschicht, ein Zugeständnis ans deutsche Publikum ist unnötig. In Grenznähe sowieso weil Paul Elstak hier nicht gerade ein unbekannter Name ist… ;)

    @Stefan: Nunja, „angetan“ ist vielleicht zu viel gesagt. Ansonsten stimmt das, die Sketche haben mich eher genervt und was anderes hab ich vom Film dann auch nicht erwartet. Eine solch rigoros asoziale Proleten-Atombombe hab ich mir nicht zu erhoffen gewagt. Vor allem weil hier eben nicht der Versuch unternommen wird, tatsächlich so etwas wie einen konventionellen Film um die New Kids herum zu stricken.

  3. Stefan 18. September 2011 um 18:12 Uhr · Antworten

    Gegen Ende, als sie sich im Lager des Alt-Nazis bewaffnen …

  4. luzifus 18. September 2011 um 13:49 Uhr · Antworten

    Auch ich kann – eigentlich – mit diesem Humior nichts anfangen, aber ich habe Tränen gelacht. Und Scooter wirkt insbesondere beim deutschen Publikum schlicht authentischer ;).
    An welcher Stelle kam eigentlich der Nazi-Witz vor?

  5. Stefan 18. September 2011 um 13:43 Uhr · Antworten

    Du bist also kein Fans der Serie, warst vom Film aber durchaus angetan?

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