Short Bus #003

Von  //  15. Dezember 2011  //  Tagged:  //  4 Kommentare

This is England // Shane Meadows, 2006

Der zwölfjährige Shaun (Thomas Turgoose) leidet unter dem Tod seines Vaters, der im Falklandkrieg fiel. Auch sonst hat er nichts zu lachen. Er wird von seinen Mitschülern gemobbt und wächst in einem dieser typischen, trostlosen Suburbs auf, die geradezu eine Synonym für die Perspektivlosigkeit britischer jugendlicher sind. Damals, wie heute. Als sich die Gelegenheit bietet, schliesst er sich einer Gruppe von Skinheads an, bei denen er die ersehnte Anerkennung findet. Kurzzeitig scheint sich seine Situation zu verbessern. Als der radikale Combo (Stephen Graham) zu der Gruppe stößt, findet das infantile Treiben der Gang allerdings schnell ein Ende und schlägt in ungezügelte Gewalttätigkeit um.
Der positivistische und etwas sehr inszenierte Schluss macht This is England zwar nicht gerade zu einem Feelgood-Movie, aber mindestens zu so einer Art Märchenfilm. Was solls. Am Ende freut man sich, dass Shaun, der frühreife kleine Scheisser, dann doch noch die Kurve kriegt. So weit ich das beurteilen kann, stellt Meadows das England der Thatcher Ära recht authentisch dar. Leider verhagelt einem die deutsche Synchronisation, in der der Film auf Arte ausgestrahlt wurde, den Streifen komplett. Die Dialoge fühlen sich an, als hätte man den Figuren rosarote Sprechblasen an die Köpfe genagelt. Eine längere Rezension folgt, so bald ich das Original gesichtet habe. Dank des überschaubaren Werkes von Shane Meadows, könnte man sich dann auch gleich mal seinen anderen Filmen widmen. Um es mit einem dieser grottigen Sprüche aus dem Film zu sagen. „Er ist ein Guter“. Der Soundtrack, gespickt mit exzellenten Ska und Reggae Tracks, ist übrigens eine Klasse für sich. (Eckhard Heck)

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The Limits of Control // Jim Jarmusch, 2009

Gerade (11.12.2011, kurz vor zwölf) zeigt das Erste The Limits of Control von Jim Jarmusch, einen meiner Lieblingsfilme. Auch wenn ich eigentlich schlafen gehen wollte, saugt mich der Film schon wieder ein. Die klaren Farben, die perfekt sitzenden Anzüge des einsamen Mannes (Isaach de Bankolé), der quecksilbrige Erzählfluss, die wunderbar komponierten Einstellungen, die kleinen Dingsymbole, die zahlreichen Momente der Stille, die dann und wann von Drone-Klängen unterbrochen wird. Ja, ich werde ihn irgendwann hier en detail besprechen. Irgendwann, das heißt: Wenn der- oder diejenige, die sich unsere DVD des Films ausgeliehen hat, ihn doch noch retourniert und ich ihn noch einmal ausgiebig sichten kann. Vielleicht liegt die DVD irgendwo, vergessen in einem Regal oder unter einem Bett. Womöglich ungemocht (wie es bei den meisten der Fall war, den der Suk und ich den Film empfahlen) und eingestaubt. Vielleicht weiß der Besitzer des Regals oder Bettes gar nicht mehr, dass der Film sich überhaupt noch in der Wohnung befindet, geschweige denn, wem er gehört. Wie bei einigen anderen DVDs und Büchern, die wir vermissen, ist uns entfallen, wer er sein könnte, der säumige Leiher. Aber vielleicht liest der Betreffende ja mit. Vielleicht dämmert ihm gerade eine Ahnung. Vielleicht findet er die DVD und wirft sie in unseren Briefkasten, für uns ganz unverhofft, aber erfreulich. Denn jetzt bin ich zu müde, um den Film noch zu erfassen und bis zum Schluss wach zu bleiben. Ich muss schlafen. Wie gemein. (Frau Suk)

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Stadt der Verlorenen // Henry Hathaway, 1957

Ein Kammerspiel vor kolossaler Kulisse. John Wayne und Sophia Loren agieren mit einer Präsenz, die selbst der Unendlichkeit der Wüste trotzt und Rossano Brazzi (als Paul Bonnard) spielt ein bisschen hilflos nebenher. Die Tragik seiner Figur ist aber angesichts der Liebesgeschichte mit Hindernissen zwischen Wayne und Loren auch nicht so wichtig, wie ich finde. Ganz besonders die fein konstruierte Dramaturgie des Films macht beim Schauen Freude und ist wohl für etliche Rezensenten, die die mangelnde Spannung beklagen, zu subtil. Ohne sich zu sehr von der erhabenen Schönheit des Sets hinreissen zu lassen, bleiben die Bilder immer nah bei den Figuren und deren individuellen Problemen. Man kann das dem Film unmöglich als Schwäche anlasten. Schließlich befindet sich das illustre Trio, bestehend aus einem Sohn der Wüste, einem Sohn eines Wüstenforschers und einer diebischen Tochter der Dürre, nicht auf einer Abenteuerreise à la King Kong und die weiße Frau, sondern kennt sich bestens in den unwirtlichen Gefilden aus. Wenn ich richtig informiert bin, schreibt Frank Stegemann in Kürze eine längere Rezension zur gerade bei Koch Media erschienen DVD. Ich freu mich drauf. (Eckhard Heck)

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20 Funerals // Anghus Houvouras, 2004

Oliver: Schlimm? Ich: Sehr schlimm. Oliver: Amateurkram? Ich: Ja, das trifft es. Im Grunde sagt dieser Kurze Dialog alles über 20 Funerals aus, bei dem nichts richtig hinhaut. Abgesehen von der erbärmlichen Lichtsetzung, die einem Thriller per se das Genick brechen muss, ist auch die Kameraarbeit von einer sagenhaften Uninspiriertheit. Dass man einen Film nach dem Dreh auch schneiden kann, ist Anghus Houvouras nicht bekannt. Die Story ist Dutzendware aus dem Bereich Rage and Revenge. Ein paar frustrierte Cops nehmen das Gesetz selbst in die Hand und verfallen auf die abstruse Idee, dass es wohl genügt, wenn man zwanzig stadtbekannte Troublemaker exekutiert, um den Sumpf des Verbrechens (in einer Großstadt!) trocken zu legen. Was als Kneipenwitz beginnt, wäre besser einer geblieben. Denn ganz so, als wären sie ihrer Sache doch nicht so sicher, erklären sie sich selbst und uns die Situation wieder und wieder, was mit Abstand der größte Fauxpas des Drehbuchs ist. Der Rest ist aber leider auch belanglos und wird vom innneren Monolog der Hauptfigur gekrönt, die sich nach etwa vierzig bis fünfzig Minuten dann doch noch als solche zu erkennen gibt. Einer der Kandidaten, bei denen der Zeigefinger immer bedrohlich nah über der Stop-Taste schwebt und bei denen man froh ist, wenn es vorbei ist. (Eckhard Heck)

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Avanaida – Todesbiss der Satansviper (Spasms) // William Fruet, 1983

Was kann man über einen kanadischen Film mit einer telepathischen, aber kaum zu sehenden Riesenviper („Serpent’s Theme by Tangerine Dream“) sagen? Vielleicht den ersten Dialogsatz des Films: „Die sind strohdumm, diese Eingeborenen. Irgendwas machen die falsch.“ Die Eingeborenen eigentlich nicht, denn die vollführen unter dekorativen Ganzkopfmasken eine ganz ordentliche Beschwörungszeremonie, in Folge derer die Schlange auch ins Netz geht. (Das Vieh ist kein einziges Mal zu sehen; dass die Szene dennoch nicht komplett dämlich auffällt, sei immerhin lobend erwähnt, Kamera: Cronenberg-Mann Mark Irwin.) Aber dann geht es leider bergab. Einerseits will Oliver Reed die Schlange haben, weil sie ihm, seit sie ihn vor 7 Jahren gebissen hat, telepathische Alpträume verursacht; er engagiert Peter Fonda, um da irgendwie was zu tun. Andererseits gibt es einen Schlangenkult, der die Wächterin der Höllenpforte zum Anbeten haben will. Das klingt ja gewiss verlockend und eigentlich möchte man den Film gern haben, aber leider ist er über weite Strecken nur öde. Wir raten ab. (Andreas Poletz)


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4 Kommentare zu "Short Bus #003"

  1. Michael Schleeh 16. Dezember 2011 um 00:21 Uhr · Antworten

    Arme Frau Suk. Ich hasse sowas. Und dann auch noch so ein toller Film…

    • Frau Suk 16. Dezember 2011 um 13:50 Uhr ·

      Danke für Dein Mitgefühl. Schön, dass so viele Leute an meinem Verlust Anteil nehmen. Marco hat mir spontan seine Limits-of-Control-DVD zur Verfügung gestellt, solange unsere verlustig ist. Ich bin richtig gerührt… ;-)

      Besten Gruß
      Frau Suk

  2. Eckhard Heck 15. Dezember 2011 um 23:19 Uhr · Antworten

    Jaaa, das ist ein cooles Format. Du bist herzlich eingeladen dich zu beteiligen. Ich schicke dir mal eine Info dazu.

  3. Christoph 15. Dezember 2011 um 23:09 Uhr · Antworten

    Ich finde dieses Konzept mit gesammelten Kurzkommentaren sehr löblich und angenehm. Weiter so!

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