DVD: Ausgestoßen

Von  //  29. Januar 2012  //  Tagged: ,  //  Keine Kommentare

Johnny McQueen konnte aus dem Gefängnis ausbrechen und sich mehrere Monate lang bei Freunden in Belfast verstecken, die er aber größtenteils schwerkrank verbrachte. Nichtsdestotrotz plant er einen neuen Coup, einen Bankraub, der dem organisierten irischem Freiheitskampf die nötigen finanziellen Mittel verschaffen soll. Doch der Überfall läuft schief: Von Schwindel überfallen, erschießt Johnny einen hartnäckigen Verfolger und wird selbst schwer verwundet. Bei der anschließenden Flucht fällt er auch noch aus dem Auto und wird von seinen Kumpanen zurückgelassen. Zunächst versteckt er sich, muß aber bald eine gefährliche Odyssee durch die Stadt unternehmen, um nicht entdeckt zu werden….

Eine der großen Stärken des britischen Kinos ist ihr schier unerschöpliches Repertoire an Charakterdarstellern – selbst die kleinste, unwichtigste Nebenfigur wirkt hier absolut authentisch. Ansonsten hinterlässt hier neben James Masons dunklen, traurigen Augen die Kamera-Arbeit von Robert Krasker (der sich gerade mit David Lean zerstritten hatte, dessen Great Expectations dann aber von Guy Green auch äußerst ansprechend fotografiert wurde) spontan den größten Eindruck. Der Film ist aber auch sonst durchkomponiert und von Symbolen vollgestopft: Mehr als einmal erinnert Mason mit Kreuzigungsposen an Christus, auch ist sein gesamter Weg durch Belfast einem Kreuzweg nicht unähnlich. Auch das Wetter scheint an diesem Tag/in dieser Nacht einen ganzen Jahreszyklus zu durchlaufen, von Sonnenschein über starken Regen bis schließlich zu Schneefall. Seine Halluzinationen (siehe Clip unten) erinnern wie manche Studiosets auch an die großen Powell/Pressburger-Filme, freilich ohne die Farben. Ein in vielerlei Hinsicht sowohl formal als auch emotional höchst beeindruckender Film, den man sich gleich noch einmal ansehen möchte.

Zur DVD: Die in der „Film Noir Collection“ von Koch Media erschienene DVD bietet ein digital restauriertes Bild, deutschen und englischen Ton, sowie eine Bildergalerie und ein Booklet mit einem informativem Aufsatz von Thomas Willmann.

Odd Man out, GB 1947, Regie: Carol Reed


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Ausgestoßen – Film Noir Collection 9


Über den Autor

Alex Klotz ist ein Zelluloid atmendes Wesen und betreibt den Blog hypnosemaschinen. Alex Klotz hat nie als Tellerwäscher, Aushilfsfahrer oder Kartenabreisser gearbeitet und gedenkt das auch in Zukunft nicht zu tun.

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