DVD: Oni Rokus persönliches Tagebuch

Von  //  22. April 2012  //  Tagged: , , , ,  //  Keine Kommentare

Oniroku Dans Bekanntheitsgrad ist beachtlich: nicht nur in Japan, wo er als lebende Legende der literarischen S/M-Szene gilt, sondern auch im Westen, wo er über Masaru Konumas Verfilmung von Flower & Snake oder durch Koyu Oharas Fairy in a Cage einige Berühmtheit errungen hat. Asieninteressierten Cineasten, die gerne auch mal in den schmuddligeren Untiefen der Filmgeschichte stöbern, ist er ohnehin ein Begriff, da etliche seiner erotischen Texte als Vorlage für die Roman Porno-Filme des Filmstudios Nikkatsu verwendet wurden.

In Nobuyoshi Sasakis Film tritt der Meister nun sogar selbst vor die Kamera: als Erzähler, der in die jeweiligen Kapitel des vorliegenden Filmes einführt. Es geht um eine gutbürgerliche, noch unerfahren verklemmte Frau, die die Bekanntschaft einer Bondage-Expertin macht. Gegen ihren Willen wird sie nun in die Kunst der Liebe eingwiesen und später dann gefesselt. Anschließend von einem Unbekannten vergewaltigt, was ihr freilich besonders gut gefällt. Und dann ist der Film irgendwann vorbei. Der Verleih spricht von einer „anspruchsvollen  Handlung“, sowie von „explizit erotischen Darstellungen“. Es sei hiermit versichert: keines von beidem trifft im Entferntesten zu. Der Film leidet gewaltig unter einer völlig banalen Bildästhetik, bei der in uninspirierten Einstellungen zwei hilflose Darstellerinnen abgebildet werden. Die Handlung ist dermaßen rudimentär, dass sie schlicht keinerlei Rolle spielt. Die Settings sind grauenvoll – Nachbars Sofa und Bübchens Schreibtisch müssen herhalten als Stöhnunterlage.

Der Film gleicht einem Softporno-Film des Niveaus RTL II und vermag nicht im Entferntesten an die abgründigen, künstlerisch herausfordernden, manchmal politischen und immer kontroversen Werke des Pink-Films anzuknüpfen, für die es von seinen Fans geliebt wird. Die Schändung der Dame des Hauses ist billigste Stangenware in übrigens grauenvoller Bildqualität – und zu allem Überfluss trotz 18er Freigabe auch noch geschnitten.

Oniroku’s Personal Diary, Japan 1999; Regie: Nobuyoshi Sasaki.


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Über den Autor

Michael Schleeh schaut vor allem asiatische Filme. Seit ein paar Jahren betreibt er das Blog SCHNEELAND und schreibt Reviews für verschiedene Webseiten. Indisches Regionalkino ist sein aktuellstes Ding. ~~ Michaels Filmtagebuch: http://letterboxd.com/schneeland/ ~ Michaels Twitter: @mono_micha

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