Heat (1986)

Heat 1986

Vielleicht ist das genau der falsche Ort für ihn. Ihn, der sich nicht verbiegen lässt, der alles gesehen hat und nun verdammt unaufgeregt melancholisch auf alles blickt, was ihn da umschließt. Ihn gefangen hält. Die theatralisch glitzernden Lichter dieser Stadt, die permanent ihre Künstlichkeit feiert, was dann aber auch immer nur im Dunklen so richtig gelingt. Tagsüber darf und sollte man sich dem Strip nicht nähern. Aber auch so schon schmerzt diese Stadt, wie ein grell summender Migräne-Tumor. Vegas.

Nur wenige Filme finden da so genaue beobachtete Momente für diese Hades-Architektur, wie dieses, immer noch tief in Videokassetten-Archiven schlummernde Meisterwerk von 1986. Heat, für Burt Reynolds, diesen großen, immer ein wenig aus der Zeit gefallen wirkenden Hünen, sein verdammtes Unforgiven.

William Goldman (Marathon Man/Buthch Cassidy and the Sundance Kid/All The President’s Men/The Princess Bride…), von dem sowohl die Romanvorlage, wie auf das großartig reduzierte Drehbuch stammen, schenkt Reynolds da gleich zu Beginn einen seiner aller-schönsten Kinomomente. Lässt ihn, den selbstbewusstesten Toupetträger Hollywoods mit traurigen Augen mit eben einem solchen wedeln, nur um ihn dann im bezahlten Schmerz zu Boden gehen zu lassen.

Zeitgleich, ein paar Straßen weiter, in dieser verfluchten Stadt, wird Reynolds Ex-Frau mit zertrümmertem Gesicht vor einer Notaufnahme auf der Straße abgeworfen. Sie ist an einen psychopathischen Freier geraten. Der Sohn eines lokalen Mafia-Paten und seine Leibwächter haben sie mit einem Pistolenlauf vergewaltigt und dann verprügelt.

Später wird sie, ähnlich wie Anna Thomson in Unforgiven, Reynolds dann bitten ihr zu helfen, diese Sache zu klären. Mit einer Gartenschere.

Über Burt Reynolds Schreibtisch, den er sich hier mit dem Urgestein Howard Hesseman teilt, klebt ein kitschiges Sonnenuntergangs-Poster von Venedig. Dahin zu kommen, da steht er sich vor allem selbst im Weg. Er, der nie eine Handfeuerwaffe benutzt, weil er selbst eine Waffe ist. Ruhig, besonnen und dann doch verdammt grausam.

Einen, der meint sich alles kaufen zu können, schlitzt er mit einer Kreditkarte auf. Am Spieltisch muss er dann immer alles loslassen – darf er sich keine Erlösung gönnen. Angst sich zu stellen wiederum kennt er keine. Und das wird er in diesem Film. Sich allem stellen. Goldman schenkt ihm da ein Finale, das sich mit dem in Michael Manns Thief messen lassen kann.

Jetzt, 2012, wiederholt sich das alles womöglich noch einmal. An einem anderen, beinahe ebenso künstlichen Ort:  in Monaco. Auch dafür wird Goldman wieder das Drehbuch schreiben, allerdings nun Jason Statham Reynolds Nachfolge antreten. Regie führt dann kein geringerer als Brian De Palma. VorfreudeDeluxe.

Heat, USA 1986, Regie: Dick Richards (& Jerry Jameson)


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Über den Autor

SEBASTIAN SELIG lebt im Kino und schreibt darüber in so bunten Magazinen wie Hard Sensations, NEGATIV oder der Deadline. Im vergangenen Jahr hat ihn seine unermüdliche Begeisterung für das Kino dazu getrieben, einen Kinostart von "Under the Skin" im deutschen Sprachraum durchzukämpfen.

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