Rec 3: Genesis aka [•REC]3: Génesis

Von  //  6. April 2012  //  Tagged: , , , ,  //  6 Kommentare

Koldo (Diego Martin) und Clara (Letitia Dolera) heiraten. Alles läuft perfekt, sogar die feierhungrigen Saufkumpane Koldos kommen halbwegs rechtzeitig. Nach der Kirche geht es zur Feier auf ein größeres Anwesen etwas außerhalb der Stadt, und wie es der Zufall will, importiert ein Gast – Dank des Bisses eines Hundes – eine Infektion, die einem Tollwutvirus gleichkommt. Mitten im Brauttanz fällt der Infizierte von der Empore über die Balustrade hinab in den Saal und schlägt mit einem Donnern auf dem Tanzboden auf. Erste Hilfe bringt wenig, vor allem, da der Gestürzte kurzerhand die Fänge in den Hals des Ersthelfers schlägt, und diesem ein großes Stück Nackensteak herausreißt. Tumult, Tumult!

Von da an gibt REC3 so richtig Vollgas. In wenigen Minuten verwandeln sich große Teile der liebenswerten Feiergesellschaft in herumhastende Zombies, und die Zahl der Menschen wird rasch dezimiert. Für Koldo, der es in die verbarrikadierte Küche geschafft hat, gibt es freilich nur ein einziges Ziel: zu Clara zu gelangen um mit ihr aus dieser Hölle zu entfliehen.

REC3 ist eine sehr gelungene Mischung aus ernsthaft engagiertem Handkamera-Horror und Zombie-Splatterklamauk. Ist das erste Drittel noch aus der POV eines Gastes gefilmt (sowie aus Material des Hochzeitsfilmers Atún montiert), verlässt der Film bald diese Perspektive und nimmt einen personalen, sich dicht an den Figuren etablierenden Standpunkt ein. Über Glaubwürdigkeit lässt sich da streiten (wer filmt das alles nun?), doch übersieht man solche Schwachpunkte gerne im hochgepushten Adrenalinhaushalt. Der folgende Film kapriziert sich nun auf Koldos und Claras zunächst vergebliche Versuche, zueinander zu finden – wobei die Protagonisten freilich mehrmals haarscharf aneinander vorbeilaufen. Der Film überschreitet dabei mehrfach die Grenze des guten Geschmacks und bewegt sich recht nahe an der Schwelle zu niveaulosem Schenkelklopferhumor (etwa in der Szene mit den Ritterrüstungen), doch ist der Film stets schnell, absurd und ironisch genug, als dass Zeit zur Enervierung bliebe.  An einer anderen markanten Stelle steht die Heldin in einem unterirdischen Tunnel, abgekämpft, das Brautkleid blutbespritzt. Wasser tropft von der Decke, von vorne kommen die Zombies, wie von hinten. So steht sie breitbeinig da, nichts mehr zu verlieren, die nassen Haare hängen ins Gesicht. Sie wirft die Motorsäge an, schlitzt das Kleid auf, das im Nahkampf hinderlich ist, bis auf dem Oberschenkel blutrot das Strumpfband leuchtet. Yes, gimme some Grindhouse, Clara!

REC3: Genesis, Spanien 2012; Regie: Paco Plaza.


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[Rec]³ Genesis


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Über den Autor

Michael Schleeh schaut vor allem asiatische Filme. Seit ein paar Jahren betreibt er das Blog SCHNEELAND und schreibt Reviews für verschiedene Webseiten. Indisches Regionalkino ist sein aktuellstes Ding. ~~ Michaels Filmtagebuch: http://letterboxd.com/schneeland/ ~ Michaels Twitter: @mono_micha

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6 Kommentare zu "Rec 3: Genesis aka [•REC]3: Génesis"

  1. Whoknows 7. April 2012 um 20:15 Uhr · Antworten

    Wird wohl langsam Zeit, dass ich mir wenigstens den ersten Teil der Schwarte zumute…

    • Alex Klotz 7. April 2012 um 20:59 Uhr ·

      Der erste ist meiner Meinung nach auch der Beste…

    • Michael Schleeh 9. April 2012 um 18:32 Uhr ·

      Yep, der ist schon ziemlich toll.

  2. Alex Klotz 6. April 2012 um 22:04 Uhr · Antworten

    Ich denke, mit der Einstellung, als die kaputte Kamera Atúns vor der Titeleinblendung gezeigt wurde, sollte suggeriert werden, daß hier das bisherige POV-Konzept der [REC]-Serie beendet wird, und der Rest des Films konventionell gefilmt ist. Ansonsten war ich nicht ganz so begeistert wie Du, hatten wir ja nach der Sichtung schon drüber gesprochen – durchaus ein paar nette Ideen, Gags und sympathische Figuren, aber leider auch zahlreiche Funsplatterklischees, die mir mittlerweile nur noch auf den Geist gehen.

    • Michael Schleeh 9. April 2012 um 18:42 Uhr ·

      @POV: kann gut möglich sein. Aber auf was verweist dann das [rec]?

      @Klischees: Ich glaube, der Film ist bei uns wirklich unterschiedlich angekommen. Und wie du weißt, bin auch ich eigentlich kein Freund des Funsplatters. Ich fand die Pointen tatsächlich, zumindest meistens, gelungen – und möchte das jetzt im Nachhinein auch nicht relativieren (was mir dem Film gegenüber unfair erschiene).

    • Alex Klotz 9. April 2012 um 19:59 Uhr ·

      Hmm, auf was das [rec] verweist, müßte man dann die Macher fragen – wenn man bösartig ist, könnte man vermuten, auf eine bereits etablierte und populäre Filmreihe…
      Ansonsten darfst du durchaus ausnahmsweise auch mal eine andere Meinung als ich haben. ;)

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