The Chase – Die Wahnsinnsjagd

Von  //  7. April 2012  //  Tagged: , , ,  //  Keine Kommentare

Henry Rollins in Action
Henry Rollins in Action

Im Prinzip eine glänzende Idee, mit dem richtigen Budget ausgestattet, die nicht nur einen unterhaltsamen Kracher abgegeben hätte sondern gleich zur Meta-Actionkomödie ihres Jahrzehnts hervor preschen können. Die Grundbedingungen sind gegeben, das Potential weitestgehend verschenkt: Charlie Sheen gibt einen sympathischen (später ind er Handlung dann allzu sehr nach Sympathie heischenden) Versager, der gerade aus dem Knast entflohen ist und dem ein Schokoriegel an der Tankstelle seiner Wahl zum Verhängnis wird. Die Polizei wird auf den Flüchtling aufmerksam, der sich die erstbeste Geisel schnappt und zur Flucht ansetzt. Die anschließende Verfolgungsjagd ist dann der vorliegende Film – ein Showdown auf Spielfilmlänge ausgebreitet, garniert mit interessanter Kamera-Raserei und einigen wirklich spektakulär geglückten Stunts.

Leider verwässert sich der Film, dessen deutsche Synchronisation übrigens unbarmherzig niveaulos geraten ist, im Laufe der Ereignisse und verschenkt aufgrund akuter Überstrapazierung auch so witzige Sidekicks wie Henry Rollins als selbstverliebten Polizisten, der gerade mit seinem Partner die Hauptrolle in einer TV-Episode Cops (oder eben ein ähnliches Format, welches eben auf jene langlebige Reality-Soap verweist) spielt und als arrogante Rampensau einige wirklich unfassbare Dialogzeilen verpasst bekommt. Der Verzicht auf jeden erzählerischen Unterbau sowie auf alle entschleunigenden Elemente muss zwangsläufig die Hinwendung zur von allen Zwängen befreiten, kinetischen Anarchie sein. Dieser anarchische Charakter bleibt leider aus, zu sehr lässt sich Rifkins Fullspeed-Experiment von einem vorhersehbaren Drehbuch maßregeln und ausbremsen. Dass es Adam Rifkin weder vorher (The Nutty Nut, 1992) noch später (Detroit Rock City, 1999) gelingen sollte, eine homogene Form für seine cartoonesken Bildideen und abenteuerliche Plot-Volten zu finden, ist einigermaßen schade.

Man sieht wo er hin will, wie sehr er sich darum bemüht, jegliche Realismus-Konzepte auf den Kopf zu stellen und losgelöste Comic-Strips zu visualisieren. Schmerzlich kann man seinen Filmen dann beim Scheitern zusehen. Wobei eine Verbindung von Slapstick, Sentiment und Actionkino durchaus ein hehres Ziel bedeutet – gelungen ist das seit den Stummfilmtagen und den Studio-Cartoons nur noch den wenigsten in Hollywood. In mancher Sequenz macht der Film gar einen beschämenden Eindruck – warum er im deutschen Fernsehen ein Evergreen ist und zu den bekannteren US-Komödien der Neunziger gehört, erschließt sich mir trotz durchaus reizvoller Ansätze nur mit viel gutem Willen.

The Chase / USA 1994 / R: Adam Rifkin


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Über den Autor

Aufgewachsen inmitten der pulsierenden Film-Metropole Merkstein/Rheinland mit ihren schillernden Kino-Palästen, umgeben von hochkarätigen Stars, Regisseuren und Filmkritikern blieb Marco Siedelmann nicht viel anderes übrig, als selbst Filmjournalist zu werden. Er schreibt u. a. für critic.de, deadline und negativ.

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