DVD: Supershark

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Bild: Sunfilm Entertainment

„Größer, lauter, teurer“: Nach dieser Bauanleitung werden in Hollywood Jahr für Jahr die neuesten Sommer-Blockbuster zusammengeschraubt, in der Hoffnung, dass sich die Produktionskosten im oft dreistelligen Millionenbereich als gute Investition erweisen und entsprechend hohe Gewinnsummen abwerfen. Ein gutes Geschäft erhoffen sich auch die Produzenten am anderen Ende des filmischen Spektrums, etwa Fred Olen Ray, wenn sie den neuesten Direct-to-DVD-Monstertrashfilm auf den übersättigten Markt werfen. Ihre Bauanleitung unterscheidet sich dabei gar nicht so gravierend von jener ihrer aufgeblasenen Kollegen: Größer und lauter sollten vor allem die titelgebenden Monster sein, ersteres im Idealfall auch die Brüste der weiblichen Darstellerinnen und ihre Bereitschaft, diese zu zeigen. Nur das „teurer“ wird verständlicherweise gemieden wie die Pest. Stattdessen ist „dümmer“ das erklärte Ziel. Viel Spaß mit meiner neuesten Etappe auf meiner unendlichen Reise in die Welt des Tierhorror-Trashs.

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Die Messlatte wird gleich zu Beginn enorm hoch gelegt: Ein Riesenhai hüpft mit einem beachtlichen Sprung an Land, wo ein paar arme Soldaten und ein hochmoderner, auf vier Roboterfüßen laufender Kampfpanzer auf ihn warten. Nach den Credits und einem Song, der den Titel des Films in Anlehnung an Rick James‘ „Superfreak“ für eine pumpende Retrofunknummer adaptiert, ist erst einmal Rückblende angesagt: Eine Ölbohrinsel wird von besagtem Monsterhai erst gerammt und dann schließlich zum Kentern gebracht. Es gibt nur einen Überlebenden. Die Meeresbiologin Kat Carmichael (Sarah Lieving, Monsterhai-erprobt aus MEGASHARK VS. CROCOSAURUS) vom O.I.B., dem Oceanic Investigation Bureau, beginnt daraufhin ihre Ermittlungen, ob es Verschmutzungen gegeben hat. Natürlich hat Wade (John Schneider), der Chef der zuständigen Ölfirma, Dreck am Stecken: Um die Erdkruste zu durchbrechen, hat er mit einer Chemikalie gearbeitet, so ein Beben ausgelöst und einen seit Jahrtausenden schlummernden prähistorischen Riesenhai geweckt, der in Folge nicht nur das Wasser, sondern auch den Strand – und sogar den Himmel darüber! –unsicher macht. Zusammen mit dem kernigen Skipper Chuck (Tim Abell) versucht die von einem Haitrauma geplagte Kat, das Biest zu beseitigen.

Nach den sich maulwurfsgleich durch den Sand wühlenden SAND SHARKS macht uns der Trash-Veteran Fred Olen Ray, dessen 118. Film dies laut IMDb ist (er hat seitdem bereits sechs weitere gedreht), mit der nächsten Variation des liebstgehassten Meeresbewohners auf. Sein Supershark ist ein gigantischer Pixelhaufen, der auf seinen Flossen laufen und sogar fliegen kann und je nach den Anforderungen des Drehbuchs mal so groß ist wie ein U-Boot oder eine Bohrinsel, gegebenenfalls aber auch auf normales Reisenhai-Niveau schrumpft. Von den Radiowellen der örtlichen Station angelockt – was der Einfachheit halber manchmal auch einfach nur „vom Radio angelockt“ bedeutet – geht er genau jenen Tätigkeiten nach, die den Alltag eines Supersharks erwartungsgemäß ausfüllen, wenn keine Ölbohrinsel mehr da ist, die kaputtzumachen ist: Taucher und Surfer fressen, gegebenenfalls auch etwaige Boote und Yachten, sowie tief fliegende Kampfflugzeuge vom Himmel holen. Weil das keinen echten Novitätenbonus mehr bringt, darf er dann auch mal zu einem Strandspaziergang an Land hüpfen, wo er – Hobbyhumorist, der er ist – weibliche Lifeguards just in dem Moment verspeist, in dem sie von Liebeskummer geplagt „Ich wünschte, ich wäre tot!“ ausrufen, oder die Gewinnerinnen des örtlichen Bikinicontest bei ihrem Fotoshooting stört. Survivalisten notieren sich: „´Nen Supershark vertreibt man nicht, wenn man ihm mit dem Sonnenschirm in die Nase sticht.“ Weil das alles nur schwer zu toppen ist, macht Fred Olen Ray das, was Amerikaner tun, wenn sie nicht mehr weiterwissen: Sie rufen die Armee. Weil die gerade mit ihren Kampfeinsaätzen in Nahost ausgelastet ist, reicht es nur für vier traurige Gesellen, die aufgrund schlechter Noten zu Hause bleiben mussten: Sie drehen dem offenen Meer, aus dem sie den Feind erwarten, konsequent den Rücken zu. Zum Glück ist der oben erwähnte, extra für das bergige Terrain in Afghanistan entworfene Stelzenpanzer am Start, sodass der geneigte Zuschauer dem ungleichen Kampf zwischen einem auf dem Bauch rumkriechenden Pixel-Supershark und dem instabil rumeiernden Pixelpanzer beiwohnen darf, den die biologisch abbaubare Fressmaschine für sich entscheidet, weil der Panzer explodiert, sobald er umkippt: Man könnte auch sagen, der Panzer hat den Haitest nicht bestanden. Also ist es an der tapferen Kat, dem Hai eine Bombe in den Rachen zu werfen und den Film mit einem hohlen Kalauer zu beenden: Die folgende Explosion hat sie taub gemacht. Wuhahaha!

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Tatsächlich ist SUPERSHARK großes Entertainment für den geneigten, mit einer Flasche gekühlten Bieres bewaffneten Freund unschuldiger Unterhaltung. Fred Olen Ray mag nie einen wirklich guten Film gemacht haben, aber er weiß, was er tut, und unterscheidet sich damit schon einmal von 99 % der anderen Hilfsamöben, die sich üblicherweise in diesem Genre versuchen. Zwar sind die Effekte größtenteils grottig, aber sie führen auch nicht zur Netzhautablösung. SUPERSHARK ist durchweg ordentlich fotografiert (vor allem in Szenen ohne Supershark), gönnt sich gar einige richtige Unterwasseraufnahmen und die absichtsvollen Gags sitzen. Den Versuch, echte Spannung zu erzeugen, unternimmt Fred Olen Ray klugerweise erst gar nicht, sondern liefert eine flott vorbeiziehende Abfolge beknackter und daher stets kurzweiliger Szenen. Die Spurenelemente einer Handlung werden immer wieder von angenehm dusseligen Subplots unterbrochen, an deren Ende der Hai einen Nebendarsteller auffrisst, bevor er zu nerven anfängt. Und das kann man durchaus auch über den ganzen Film sagen, der nach 81 Minuten ein Ende findet und die Geduld des Zuschauers niemals überstrapaziert. SUPERSHARK ist also ein erstklassiger Vertreter seines Genres, was bedeutet, dass er angemessen schlecht ist. Weiter so, Fred, auf die nächsten 120!

Supershark (Fred Olen Ray, USA 2011)


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Lebt in Düsseldorf, schaut Filme und schreibt drüber.

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Ein Kommentar zu "DVD: Supershark"

  1. Thomas Hemsley 9. Juni 2012 um 00:02 Uhr · Antworten

    Du machst mich fertig: Ich leide hier! Actionkolumnen-Mangelerscheinungen! Dann verbinde doch wenigstens das eine mit dem anderen, und schreib einen umfangreichen Essay für das eingentliche Vorbild dieser Filme: Nein, nicht JAWS – ich meine natürlich DEEP BLUE SEA;-) Steck doch mal den Genrerahmen ab, und schreib einen Essay über die nicht ganz so (?) trashigen Vorbilder des heutigen Tierhorrors. Ich will ja nicht sagen, dass ich deine Beschäftigung mit diesen Filmen nicht gutheiße, gerade die Bilder sind immer sehr lustig, und vor allem gibt dir das ja die Möglichkeit, dich – ohne Namen zu nennen (Husthustavengershust;-) – über aktuelle Blockbuster auszulassen, und irgendwann werde ich sicherlich die vielversprechendsten (von dir als solche erkannte) irgendwann mal ausleihen, dennoch: WOLVERINES!

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