DVD: Camel Spiders: Angriff der Monsterspinnen

Selbstmordattentäter, Burkas, die Scharia, Schwulenhass, religiöse Fanatiker, Fundamentalisten, Terrorismus, Antisemitismus, Saddam Hussein, Ayatollah Khomeini, Osama Bin Laden, Ofra Haza: Erst nach längerem Überlegen fällt einem ein, dass ja auch noch Falafel und Palästinensertuch – DAS Modeaccessoire für den weltgewandten 16-jährigen Systemgegner schlechthin – und damit tatsächlich nicht nur Schlechtes aus dem Nahen Osten gekommen ist. Nun schicken sich Regisseur Jim Wynorski und Produzent Roger Corman an, die eh schon wenig schmeichelhafte Bilanz noch weiter zu Ungunsten der ewigen Krisenregion zu verschieben – und nebenbei ein Tierhorror-Subgenre zu reanimieren, dass gegen die Übermacht der Krokodil-, Hai- und Schlangenmonsterfilme einen fast ebenso schlechten Stand hat wie ein Islamist gegen Henryk M. Broder: den Spinnenfilm.

„Wer glaubt, dass dieser Film billig aussieht, hebt bitte die Hand!“

Afghanistan: Als die feindlichen Gewehre, die die Einheit von Captain Sturges (Brian Krause) bei einem Feuergefecht in Schach halten, plötzlich verstummen und lediglich ein allerdings schlimm missgestalteter Leichnam gefunden wird, weiß der einheimische Späher sofort, was dahintersteckt: die teuflischen Camel Spiders, eine gefährliche und überaus aggressive Spinnenart. Ein paar Exemplare können sich unbemerkt im Leichensack eines gefallenen GIs verkriechen und landen so schließlich in der Wüste Arizonas, wo sie sogleich beginnen, Touristen, Studenten, Diner-Besitzern, Polizisten, fiesen Anzugtypen und natürlich Sturges das Leben schwer zu machen …

Clevere Geschäftsleute, die Wynorski und Corman nun einmal sind, haben sie mit CAMEL SPIDERS: ANGRIFF DER MONSTERSPINNEN eine Urban Legend aufgegriffen, die ihre Wurzeln im Golfkrieg hat: Die eigentlich harmlose Walzenspinne wurde zum Mythos, als Augenzeugenberichte amerikanischer Soldaten zu krassen Übertreibungen führten: Die Spinne sollte so groß werden können wie eine Frisbeescheibe, Geschwindigkeiten von 60 km/h erreichen und dabei spitze Schreie ausstoßen. Nichts von dem ist wahr, aber es passt zu dem großen Respekt, den Menschen vor Spinnen haben und der auch den Spinnenfilm von Anfang an beflügelt hat: Man muss kein ausgesprochener Arachnophobiker sein, um bei dem Gedanken an Spinnen, die langsam an einem hochkriechen, sich in Schuhen und anderen Kleidungsstücken verstecken oder plötzlich an unerwarteter Stelle ins Blickfeld geraten, einen unangenehmen Schauer zu verspüren. Ein naiver Billigfilm wie Don „Bud“ Cardos’ MÖRDERSPINNEN konnte dank dieses Unbehagens zum kleinen Kultklassiker reifen, Frank Marshall gelang in den späten Achtzigerjahren mit dem eigentlich anachronistischen ARACHNOPHOBIA ein veritabler Hit.

Spiders ate my Daddy!

Und CAMEL SPIDERS? Der versagt leider völlig dabei, den Zuschauer irgendwie zu involvieren. Es fehlt ihm an Schauwerten, die Effekte sind erwartbar billig, aber auch zu unspektakulär, als dass man sich über sie wirklich lustig machen könnte, der Plot schleppt sich ereignislos vor sich hin, kulminiert in einer Belagerungssituation, die aufgrund der Profillosigkeit der Protagonisten zur Belastungsprobe vor allem für den Zuschauer wird. Sein Hauptmanko ist aber, dass es Wynorski einfach nicht gelingt, jenes Ekelgefühl zu evozieren, das für den Spinnenfilm so wichtig ist. Das liegt daran, dass er die Spinnen von Anfang an gut sichtbar ins Bild rückt, sie zudem eher frontal-aggressiv als kriecherisch-verschlagen vorgehen lässt und sie somit genau der Eigenschaft beraubt, die sie eigentlich erst für den Horrorfilm prädestiniert. CAMEL SPIDERS ist ein ausgesprochener Langweiler, den man sich nur anschauen sollte, wenn man wissen will, wie tief C. Thomas Howell mittlerweile gesunken ist.


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Lebt in Düsseldorf, schaut Filme und schreibt drüber.

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3 Kommentare zu "DVD: Camel Spiders: Angriff der Monsterspinnen"

  1. Mike 2. September 2012 um 11:32 Uhr · Antworten

    Was ist eigentlich mit C. Thomas Howell los? Der Typ sieht ja aus wie 60. Zum Film: No comment.

  2. Mic 22. Juli 2012 um 12:44 Uhr · Antworten

    Meine Lieblingsstelle im Trailer ist die, in der die junge Dame vollkommen dabei versagt „sie werden uns alle töten“ zu sagen. Das sieht mehr aus wie „oh, da es regnet können wir nicht ins Freibad gehen“.

    Hm, könnte gegen diesen Film die bessere Alternative sein. Und das sage ich als großer Monsterspinnenfreund.

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  1. camel spiders (jim wynorski, usa 2011) « Remember it for later

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