Zardoz

Von  //  21. Juli 2012  //  Tagged:  //  Keine Kommentare

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Was kommt heraus, wenn man einen Hobbykonstruktivisten, einen Studenten der politischen Philosophie und einen LSD-Dealer in einen Raum sperrt? Ich weiß es auch nicht so genau, aber es könnte diesem Film sehr ähnlich sehen. Zardoz ist schon ein seltsames Gebilde; eines dieser 70er-Jahre-Experimente, bunt, skurril, zerfahren, mit Plastik und Glitzer – und mit einem roten Patronenhosenträgerhotpantdings. Dieses wird von keinem geringeren getragen als Sean Connery in der Rolle des „Brutalen“ Zed. (Nicht zufällig ist Connery hier auf Burt Reynolds gebürstet. Reynolds sollte die Rolle des Zed ursprünglich übernehmen, fiel aber krankheitsbedingt aus.)

Zum Plot. Ja… der Plot. Hier wird es schwierig, denn ich behaupte, dass Boorman sich selbst nicht so ganz sicher war, was er da eigentlich erzählen wollte. Wenn man die Story zerlegt, kommt man auf einen Verschnitt aus verschiedenen bekannten Dystopien. Die Spaltung der Menschheit in „Brutals“ und „Eternals“ erinnert schwer an die Morlocks und Eloy aus H. G. Wells’ Time Machine; die scheinbar perfekte hochtechnisierte Gesellschaft mit ihren automatisierten Pflanzenbruttüten, ihrer Vorliebe für Gentechnik und ekstatische Bewusstseinsvereinigungszusammenkünfte sowie ihren Ausgrenzungsmechanismen für Abtrünnige weist auffällige Parallelen zu Huxleys Brave New World auf; und irgendwann kommt dann auch noch ein bisschen Fahrenheit 451-Bibliophilie hinzu. Außerdem tut Boorman mit der rechten Hand noch einen beherzten Griff in die Low-Fantasy-Action-Kiste, während er sich die linke Hand in der Groschenroman-Dose einklemmt und gleichzeitig mit einem Fuß in die philosophische Legokiste steigt. Auch Motive aus dem explizit im Film genannte Zauberer von Oz (leider darf der Zuschauer noch nicht mal selbst auf das Wortspiel Wizard of Oz kommen, das Aha-Erlebnis wird ihm von den Figuren vermasselt) spielen in den Gesamtplot hinein.

Angesiedelt ist das Science-Fiction-Gefummel jedenfalls im Jahr 2293. Die Menschheit ist gespalten: Es gibt die Brutalen, arme „Primitive“, die von einer sich ebenfalls aus Brutalen rekrutierenden Kämpfer-Kaste niedergemacht wird, und die Ewigen, eine Art Menschen 2.0. Erstere leben in Ödnis und fallen der Verrohung anheim, letztere wohnen im schicken Vortex und ergehen sich in allen möglichen Arten der Kultiviertheit und des Kultivierens. Das Vortex ist auf den ersten Blick ein sozialistisches Paradies, in dem sich die unsterblichen Kommunenmitglieder nicht nur das bisschen legere Gartenarbeit teilen, sondern auch Teile ihres Bewusstseins. Die Welt der Brutalen, in der Zardoz (Niall Buggy) eine auserwählte Elite die ferkeligen Standard-Brutalen, „who multiply and are legion“ (nicht erschrecken, Bibelzitat), niedermetzeln lässt, repräsentiert hingegen eher das irdische Jammertal. Der scheinbare Grundkonflikt der Geschichte entsteht daraus, dass ein Brutales, nämlich Zed, es schafft, in das Vortex einzudringen. Dort wird „es“ (Brutale haben bei den Vortex-Bewohnern Tierstatus) erst einmal geduldet, weil die Genetikerin May (Sara Kestelman) es untersuchen will.

Erwartungsgemäß löst das Eindringen des Fremdlings interessante gruppendynamische Prozesse aus: Für einige der gelangweilten asexuellen Ewigen stellt der virile Zed eine willkommene Abwechslung dar, andere, darunter die schöne Consuella (Charlotte Rampling) halten ihn für eine Bedrohung und wollen ihn töten. Man ahnt, dass zwischen Zed und Consuella bestimmt noch was geht. Aber hier ist noch lange nicht Schluss. Nach und nach ergeben sich immer neue Konflikte, Twists und Erzählstränge. Zed mutiert vom primitiven Schlächter zum hochbegabten Retter, die Ewigen verzweifeln an ihrer selbstgebastelten Unsterblichkeit, Loyalitäten verschieben sich und überhaupt gerät alles Mögliche aus den Fugen. Zahlreiche philosophische Fässer werden geöffnet, aber nicht geleert, und die Spitzen gegen den Kolonialismus, blinde Wissenschaftsgläubigkeit, die Demokratie, die Aristokratie, den Monotheismus, sozialromantische Verklärung und was weiß ich nicht noch alles häufen sich.

Klingt wirr? Ist es auch, aber im Grunde weiß man von Anfang an, worauf man sich hier einlässt. Und hier finden dann letztlich auch alle Stränge wieder zueinander: Arthur Frayn, der zwischen dem Vortex und der Welt der Brutalen hin und her pendelt, informiert uns zu Beginn des Films als körperloser Erzähler-Zauberlehrling, dass es nur um eins geht – Unterhaltung durch Fiktion: „I am invented, too, for your entertainment and amusement.“ Zardoz ist also nicht unfreiwillig komisch (wie ich mal in irgendeiner Rezension las), sondern höchst freiwillig, „rich in irony and most satirical“. („The gun is good, the penis is evil“ ist nur eines der erheiternden Bonmots, die bei der Sichtung abfallen.) Alles ist erlaubt, was Frayn, der in der Welt der Brutalen als Gott Zardoz auftritt, in den Sinn kommt. Als Erzähler manipuliert er die Figuren, als Erzähler wird aber auch er selbst erzählt, mise en abyme – bis eine der Figuren einen Sprung im Spiegel entdeckt. Als Zed im Tabernakel, dem Allerheiligsten der Ewigen, erkennt, dass er sich in einer Rekursionsschleife bewegt, ist der Bann gebrochen; die Ewigen können sterben, und auch der Konstrukteur der Unendlichkeit – wer anders als der Autor, der mit den Figuren der Erzählung unsterbliche Kinder in die Welt setzt? – ist tot.

Boorman beglückt uns hier mit dem klassischen Fall einer narrativen Metalepse: Der Sklave Zed befreit seinen Herrn, der letzte Buchstabe entlässt den Autor aus seiner Verpflichtung (Roland Barthes grüßt recht freundlich). Das Spiel mit den Ebenen macht den Film äußerst reizvoll, auch wenn man zwischenzeitlich den Eindruck hat, jemand habe den Spannungsbogen irgendwo verbummelt. Hat man einmal Spaß an den Rekursionsloops der narrativen Achterbahn gefunden, schwingt man sich vergnügt von Doppeldeutigkeit zu Doppeldeutigkeit, von Paradox zu Paradox, von Spiegelung zu Spiegelung. Aber Achtung, auch als Zuschauer ist man nicht davor gefeit, in das Spiel hinein gezogen zu werden: „Be warned lest you end as I“, mit Schadenfreude im Blick fragt Frayn (Re-Frayn?) uns nach unserem Schöpfer, und wenn Sean Connery in seinen roten Hosen ganz zu Beginn des Films auf die Kamera zielt und abdrückt, ist das nicht nur als Seitehieb auf James Bond zu verstehen…

UK 1974, Regie: John Boorman


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Über den Autor

Bianca Sukrow, geb. in Aachen, ist Literaturwissenschaftlerin, Mitgründerin des Leerzeichen e.V., freie Lektorin und Journalistin. Im persönlichen Umgang ist sie launisch, besserwisserisch und pedantisch.

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