DVD: Toy Story

Von  //  9. Dezember 2012  //  Tagged: , ,  //  1 Kommentar

Toy Story

Unruhe unter den Spielzeugen. Nicht nur, dass ein Umzug bevorsteht, der generalstabsmäßig geplant werden will. Nein, wie in jedem Jahr naht auch wieder der Geburtstag des kleinen Andy, dem die Spielzeuge gehören. Alle haben Angst, dass sie durch ein neues Spielzeug ersetzt werden. Nur Cowboy Woody, Andys Lieblingsspielzeug, sieht keinen Grund zur Panik. Noch kann er nicht ahnen, dass er es ist, der bald mit der modernen Konkurrenz aus dem Spielzeugladen zu tun haben wird, die ihm im Handumdrehen den Rang ablaufen wird.

Bereits John Lasseter Kurzfilm Luxo Jr., sein erstes Projekt für Pixar, wurde 1986 für den Oscar nominiert. Toy Story bekam 1996 einen Sonderoscar für den ersten computeranimierten Spielfilm. Lasseter führte auch bei den Pixar Erfolgen Das große Krabbeln (1998), Toy Story 2 (1999), Cars (2006) und Cars 2 (2011) Regie.

Abgesehen von den bahnbrechenden technischen Neurungen und der simplen Tatsache, dass Toy Story der erste komplett CGI animierte Film der Geschichte ist, sollte nicht übersehen werden, dass ein Großteil der vierjährigen Produktionszeit in die Entwicklung der Figuren und der Story investiert wurden. Dem „Making of“ auf der gesichteten DVD (Buena Vista / Disney (Special Collection) 2004) entnehme ich, dass zunächst nur eine Hauptfigur geplant war. Diese sollte einem Charakter aus dem Pixar Kurzfilm Tin Toy (ebenfalls auf der DVD zu finden) nachempfunden sein. Nur einer der vielen Pläne, die im Laufe der Zeit verworfen wurden. Wenn man sich das Endprodukt ansieht, ist kaum vorstellbar, wie dieser Film ohne Woody und Buzz Lightyear ausgesehen hätte. Die beiden sympathischen Kerlchen repräsentieren zwei unterschiedliche, im amerikanischen Bewusstsein verankerte Wertesysteme. Woody ist bodenständig, etwas selbstgerecht und steht für die alten amerikanischen Werte wie Freiheit, Gerechtigkeit und den Glauben an sich selbst und die Nation. Wenn es nach ihm ginge, bliebe einfach alles beim Alten. Buzz Lightyear hingegen, der Rocket-Man, verkörpert den Glauben an den Fortschritt und die Unfehlbarkeit der Technik. Historisch gesehen hätte dieser Charakter ein Jahr später nicht mehr funktioniert. 1996 ereignete sich die Challenger Tragödie, die die USA in eine tiefe Sinnkrise hinsichtlich ihrer technischen Möglichkeiten stürzte.

Was mir am besten an Toy Story gefällt, ist die Art, wie menschliche Eigenschaften auf die Spielzeug-Charaktere übertragen werden. Der Einfallsreichtum, der hier an den Tag gelegt wird, versetzt mich in nahezu jeder Szene in schiere Verzückung. Dass die Spielzeuge sehr unterschiedliche Eigenschaften mitbringen, wird dann auch wieder zurück-referenziert und beeinflusst ihren „Charakter“. Das ist alles sehr clever gemacht und lädt den Film mit einer großen Emotionalität auf.
Nicht neu für den Animationsfilm, aber auch in Toy Story in Perfektion umgesetzt, ist die Adaption von archetypischen Mustern aus dem Realfilm. Wenn beispielsweise ein Plastik-Soldaten-Armee eine Aufklärungsaktion startet, dann verändern sich Licht und Geräusche entsprechend und wir befinden uns unversehens mitten in einem Kriegsfilm.

Das bereits erwähnte „Making of“ ist informativ, schiesst jedoch hier und da weit übers Ziel hinaus. Man sieht beispielsweise Menschen, die sich ein Brett unter die Füße schnallen, um Bewegungsabläufe bestimmter Figuren zu simulieren und das wird einem dann als innovativ verkauft. Da braucht es nicht mehr als einen – im Prinzip diesbezüglich recht Ungebildeten – wie mich, um zu erkennen, dass das Unsinn ist. Diese Methoden wurden bei Disney und anderen Studios von jeher angewandt und auf ihnen beruhen vermutlich alle großen Erfolge in der Geschichte des Animationsfilms, so auch der von Toy Story. Denn der Film funktioniert nicht wegen der technisch besseren Animationen und dem Rendering, das eine bis dahin unvorstellbare Natürlichkeit ermöglicht, sondern weil er ganz grundsätzlich auf die klassischen Tugenden des Animationsfilms setzt, die vor ihm in zahllosen Filmen entwickelt wurden.

Randy Newman hat einen schönen Score beigesteuert und die für die Stimmen verpflichteten Schauspieler (u.a. Tom Hanks und Tim Allen) machen einen sehr guten Job. Die deutsche Synchro indes macht auch vor den Songs nicht halt und schluckt für mein Empfinden nahezu hundert Prozent vom Charme des Originals, was sie für mich unerträglich macht.

USA 1995, Regie: John Lasseter


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Über den Autor

Eckhard Heck besitzt eine der umfangreichsten Baustellen-Sammlungen Nordrhein-Westfalens. Unter anderem ist er Autor, Musiker, Maler, Fotograf und Glaubensberater.

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