Children of Wax

Von  //  29. März 2013  //  Tagged: , ,  //  Keine Kommentare

Es herrscht Krieg im Drogengeschäft in Berlin-Kreuzberg zwischen einer türkischen Gang und einer Bande von Nazi-Skinheads. Als wäre das nicht schon hart genug, werden regelmäßig Leichen türkischer Kinder gefunden, die via Make-up das Antlitz von Wachspuppen bekommen haben. Die Polizei ruft den Spezialisten Kemal aus Wiesbaden zu Hilfe…

Typisches Aussehen einer türkischen Gang in Kreuzberg, 2007. Nicht?

Typisches Aussehen einer türkischen Gang in Kreuzberg, 2007. Nicht?

Was macht eigentlich Menahem Golan, in den 80er Jahren mit der CANNON für Actionhits wie Delta Force verantwortlich, heutzutage noch? Nun, so was. Ich glaub immer noch nicht ganz, was ich da gesehen habe: Children of Wax liegt so vollkommen neben der Spur, daß es eine wahre Freude ist. Das liegt vor allem daran, daß die deutsche bzw. Berliner Wirklichkeit, wie sie hier dargestellt wird, aus einem Parallel-Universum zu stammen scheint. Abgesehen von ein paar Inserts, in denen man mit dem Auto durch Berlin gefahren ist und einige Sehenswürdigkeiten und typische Straßenzüge abgefilmt hat, wurde der Rest des Films offensichtlich in Bulgarien gedreht.

Zeit für einen Jmbiss. So eine Gurrywurst wäre jetzt genau richtig.

Zeit für einen Jmbiss. So eine Gurrywurst wäre jetzt genau richtig.

Nun mag es sein, daß einige Nazi-Skins im Drogenhandel involviert sind, aber sie hören dann bestimmt keine Techno-Mucke, ebenso wenig wie türkische Gangs sich rote Bandanas ala The Warriors anlegen, wenn sie in die Schlacht ziehen oder sich eins der regelmäßigen Maschinengewehrgefechte (!) mit den Nazis liefern. Dann ist da noch Ermittler Kemal (ein leicht aufgedunsener Armand Assante), verheiratet mit einer blonden Vorzeigedeutschen namens Monika, dessen Sohn ständig quengelt, daß er zurück nach Wiesbaden will, denn dort gibt es anscheinend keine Türken und alles ist schön. Nicht zu vergessen das Kino, in das der Sohneman ständig geht, um die Schule zu schwänzen, in dem ausschließlich Vorführungen von Horrorfilmen wie Nightmare on Elm Street für Minderjährige stattfinden.

Das Kino, in dem nur Horrorfilme für Kinder laufen.

Das Kino, in dem nur Horrorfilme für Kinder laufen, Außenansicht.

Der Bandenkrieg schien aber nicht ausreichend für einen ganzen Film, so daß man auch noch ein Remake von M – Eine Stadt sucht einen Mörder einpflanzte, komplett mit Standgericht am Ende. Udo Kier ist…Udo Kier, und jemand besseren hätte man für die Rolle wohl auch nicht finden können. Bei diesem Handlungsfaden kommen sogar ein paar recht stilvolle Momente zustande.

Udo, stell dich mal vor die Lampe, wegen Schatten, Nosferatu und so.

Udo, stell dich mal vor die Lampe, wegen Schatten, Nosferatu und so.

Alles in allem ist der Film eine großartige Wundertüte, an der vor allem Kreuzberger ihre Freude haben sollten. Da ich mich nicht zurückhalten konnte, hier noch ein paar Screenshots zur weiteren Illustration.

Ausgeklügeltes Mise-en-scène.

Ausgeklügeltes Mise-en-scène.

Der Sat.1-Ball hat es auch in den Film geschafft.

Der Sat.1-Ball hat es auch in den Film geschafft.

In Wiesbaden war es aber schöner.

In Wiesbaden war es aber schöner.

Noch lacht der Nazi.

Noch lacht der Nazi.

Wer will schon noch Kinder in diese Kinderwelt setzen?

Wer will schon noch Kinder in diese Kinderwelt setzen?

Hallo, wir sind die Nazis, wir hätten noch eine Frage.

Hallo, wir sind die Nazis, wir hätten noch eine Frage.

Wann fahren wir endlich zurück nach Wiesbaden?

Wann fahren wir endlich zurück nach Wiesbaden?

Bier bewusst geniessen.

Bier bewusst geniessen.

Doch, das ist schon irgendwie creepy.

Doch, das ist schon irgendwie creepy.

Wiesbaden?

Wiesbaden?

Dann und wann findet man doch Stil...

Dann und wann findet man doch Stil…

...oder sogar Einstellungen, die an surrealistische Gemälde erinnern.

…oder sogar Einstellungen, die an surrealistische Gemälde erinnern.

Bulgarien/Deutschland/Italien 2007, Regie: Ivan Nitchev


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Über den Autor

Alex Klotz ist ein Zelluloid atmendes Wesen und betreibt den Blog hypnosemaschinen. Alex Klotz hat nie als Tellerwäscher, Aushilfsfahrer oder Kartenabreisser gearbeitet und gedenkt das auch in Zukunft nicht zu tun.

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