I Married a Monster from Outer Space

Von  //  18. Juni 2013  //  Tagged: , , , ,  //  1 Kommentar

1955 gab es in Deutschland 283.750 Fernseher. 1957 waren es immerhin 1.211.935, zwei Jahre später schon 3.375.003, 1961 gar 5.887.530 und 1963 schließlich 8.538.570. (Für die Gegenwart geht man von 34 Millionen Fernsehhaushalten aus.) Dies erklärt, warum die Anzahl importierter B-Movies ab etwa 1958 rapide zunimmt. MAN WITHOUT A BODY, THE WOMAN EATER, CAT GIRL, BRIDE OF THE MONSTER, FRANKENSTEIN’S DAUGHTER: Alles wurde synchronisiert, was an den Seiten Löchern hatte. (Es erklärt auch DIE NACKTE UND DER SATAN, Edgar Wallace und die sittliche Verrohung im Lande.) Umso belehrender ist es, dass es die beiden intelligentesten Genrewerke der späten 1950er nicht in die Kinos geschafft haben. Ob man NIGHT OF THE DEMON aus religiösen oder anderen Gründen ausgewichen ist, weiß ich nicht; dass aber I MARRIED A MONSTER FROM OUTER SPACE nicht ging, ist offensichtlich: Wir reden hier immerhin unmissverständlich von Sex.

„Was it true? Could space monsters mate with earth women?“ (Trailer)

IMAMFOS besticht als – wenn auch billige – Paramount-Produktion zunächst durch Oberflächenglanz. Haskell Boggs‘ Kamera ist eine Freude, die Musik – aufgrund eines Streiks aus Archivmaterial zusammengetragen: Welcher andere Film vereint Van Cleave, Victor Young, Roy Webb, Hans Salter, Hugo Friedhofer und Franz Waxman? – ist prall und von der Weltall-Totale unter dem Vorspann über die wüsten Masken (Charles Gemora) bis zu den schlichten, aber schicken Effekten (John P. Fulton) kann man sich kaum einen besseren 50ies Pulp-Stoff wünschen; auch gibt es literweise Gelatine (von Fowlers Frau).

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Woher kommt die Idee zu IMAMFOS? Aus einem folkloristischen Broadwaystück von 1945! Folgendes hat sich wohl abgespielt: Regisseur Gene Fowler, der eben I WAS A TEENAGE WEREWOLF (Michael Landon, Rasierschaum, bland visuals) gedreht hatte, wollte einen Schritt weiter. Und irgend jemand – Fowler oder sein Autor Louis Vittes – dürfte sich an DARK OF THE MOON erinnert haben, das als TV-Version im Dezember 1957 als Episode des NBC MATINEE THEATRE lief. (Diese Episode liegt übrigens auf archive.org und ist schon als Artefakt faszinierend. Dass der alte Westen frühfernsehsparsam durch ein paar Felsen, vereinzelte Möbelstücke und schwarzes Nichts dahinter verkörpert wird, macht da gar nichts; ich jedenfalls finde die Mischung aus Naivität und Intelligenz bestechend und würde auch gerne wissen, was Yvette Vickers – hier als Nebenhexe zu sehen – vor dem Dreh geraucht hat.)

In DARK OF THE MOON will ein „witch boy“ (gespielt vom späteren Bestsellerautor Tom Tryon) menschlich werden und eine Sterbliche (Gloria Talbott) heiraten, was nicht gut gehen kann. In IMAMFOS geht es nicht um Hexen, aber immerhin landen Aliens von einem sterbenden Planeten auf der Erde, um in den kopierten Körpern von Erdenmännern (die währenddessen in der Besenkammer des Raumschiffs aufgehängt werden) Kinder mit Erdenfrauen zu zeugen. Das führt aber nicht nur zu sozialen Anpassungsschwierigkeiten: Mit den neuen Körpern kommen auch neue Gefühle und Unsicherheiten, wie wir anhand eines Neu-Aliens (gespielt von Tom Tryon) und seiner irritierten Gemahlin (Gloria Talbott) sehen können.

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Wenn man die pessimistische Prämisse akzeptiert, dass Aliens genauso erpicht auf die Weitergabe ihrer Gene sind wie wir, aber dennoch den Raumflug gemeistert haben, kann man vor dem Script nur den Hut ziehen: Im Billigrahmen seiner Produktionsumstände (Drehzeit laut Fowler: 10 Tage!) wäre es nur zu verständlich gewesen, hätte man sich darauf beschränkt, auf dem Emotionsklavier einfach immer wieder mit einem Finger die Paranoia-Note zu spielen, bis endlich die Army alles platt macht. Vittes und Fowler aber gönnen nicht nur sich den Luxus, zwischen den verschiedenen Aliens zu differenzieren, sondern auch den Protagonisten Dialogsätze wie

„Are you telling me that you are learning how to love?“
„I am telling you that I am learning what love is.“

Addiert man dazu beiläufige Anspielungen auf Alkoholismus, Impotenz und Prostitution, kann es nicht überraschen, dass das, was uns der Film als Happy End serviert (die Aliens sind am Ende, die menschlichen Originalmänner wieder aktiv), nicht wirklich als Fortschritt erscheint.

USA 1958, Regie: Gene Fowler jr.


Über den Autor

Andreas Poletz (1185 bis 1231), aus Chorazin gebürtig, beschrieb seine Seele als »einen schrecklichen Sturm, umhüllt von ewiger Nacht«, und behauptete, dass er aus Verzweiflung begann, seine Hände und Arme zu zerfleischen und mit den Zähnen bis auf die Knochen zu zernagen (incipit manus et bracchia dilacerare et cum dentibus corrodere useque ad ossa). Ist aber nicht wahr.

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