Siberian Education

Von  //  12. September 2013  //  Tagged: , , , ,  //  Keine Kommentare

Die nach Sibirien verbannten Kriminellen schlossen sich zu dem Clan der „Urki“ zusammen und begangen unter anderem zahlreiche Überfälle auf die transsibirische Eisenbahn. Unter Stalin wurden sie nach Transnistrien deportiert, wo sie ihre nach einem strengem Codex gerichteten kriminellen Aktivitäten weiterführen. Kolyma wächst in dieser Community auf und bekommt von seinem Großvater (John Malkovich) die Regeln beigebracht. Sein bester Freund Gagarin landet für sieben Jahre im Gefängnis und hält es nach seiner Entlassung nicht mehr für nötig, sich an die Regeln zu halten…

Der auf dem autobiographischem Roman von Nicolai Lilin basierende Film zeigt eine Gesellschaft, von der vermutlich nur die Wenigsten bislang gehört haben – ich muß zu meiner Schande gestehen, sogar von Transnistrien vorher noch nichts gewußt zu haben. Angelegt ist der Film wie eine klassische Gangsterbiografie mit einem Rahmen zur Zeit des Tschetschenien-Konflikts und zahlreichen Rückblenden in Kindheit und Jugend des Protagonisten. So gibt es neben Einblicken in die faszinierende Parallelgesellschaft der Urki, deren Männern es unter anderem nicht gestattet ist, Polizisten oder anderen Vertretern der Staatsmacht ins Gesicht zu sehen, auch eine Coming of Age-Story nebst tragischer Liebesgeschichte. Den überzeugenden jungen litauischen Darstellern stehen dabei alte Recken zur Seite – so gibt es neben John Malkovich auch Peter Stormare als „Meister-Tätowierer“ zu sehen, der die ebenfalls faszinierende Philosophie der sibirischen Tätowierungen erläutert. (Der Verfasser des Buches, das in Italien zum Bestseller wurde, ist seit 2003 übrigens selbst Tätowierer im Piemont.) Ein prächtiger Film, zuweilen brutal und bitter, dann aber auch wieder mit wunderschönen Momenten, ein Wechselbad, bei dem die Zeit wie im Fluge vergeht.

Educazione siberiana, Italien 2013, Regie: Gabriele Salvatores


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Über den Autor

Alex Klotz ist ein Zelluloid atmendes Wesen und betreibt den Blog hypnosemaschinen. Alex Klotz hat nie als Tellerwäscher, Aushilfsfahrer oder Kartenabreisser gearbeitet und gedenkt das auch in Zukunft nicht zu tun.

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