Black Zoo

Von  //  24. März 2014  //  Tagged: , ,  //  Keine Kommentare

Michael Gough kuckt schon wieder so

Erste Szene: Ein Model, das ein Opfer spielt, damit freilich überfordert ist, wird nachts von einem Tiger überfallen, was nicht so gruselig ist, weil Tiger einfach niedlich sind. Aber dann kommt gleich Michael Gough; dem kann man schon zehn Minuten lang zusehen, wie er Leute durch seinen Zoo führt. Davon müssen wir uns ein wenig erholen, so dass uns eine Nummer mit trainierten Schimpansen ganz recht kommt; würdigen wir doch währenddessen unseren Hauptdarsteller:

Michael Gough, in seinem dritten Film für Produzent Herman Cohen, hat hier erneut eine Flundernrolle. Weder Autor noch Regisseur scheinen sich dafür zu interessieren, warum er so ist, wie er ist: Wie Goughs Verrückte in Konga und Horrors of the Black Museum steht er einfach als monomanisches Monstrum da, weil die Geschichte eben eines braucht, und Gough kann sich nur retten, indem er – ein Schauspieler, der bei anderer Gelegenheit durchaus sachte, subtile Darstellungen liefern kann – herumbrüllt, die Augen rollt und sich generell so aufführt, als wäre er in einen Bob Clampett-Cartoon geraten und müsste Sorge tragen, dass ihn Daffy Duck nicht an die Wand spielt. (Man beachte nur seine Reaktion, als ihm Jerome Cowan Zigarettenrauch ins Gesicht bläst.)

Wir begegnen weiterhin Elisha Cook (armer Elisha! du wirst das Ende des Films nicht erleben) sowie einem niedlichen stummen Zoowärter (Rod Lauren, auch in The Crawling Hand zu sehen – dass er zuerst mit einer Hitsingle hervorgetreten ist, lässt seine stumme Rolle… uh… noch stummer aussehen; während der Dreharbeiten wurde er verhaftet, als er in das Apartment einer Mit-Schauspielerin einbrach; 2001 wurde er verdächtigt, seine Frau ermordet zu haben, und 2007 beging er Selbstmord). Während Gough daheim seinen Löwen auf der Orgel vorspielt, worauf sich die auf diverse Sofas fläzen und versonnen dreinsehen, entspinnt sich eine Love Story zwischen Lauren und einer Kunststudentin. Der Film ist aber einsichtig genug, um zu erkennen, dass dieser Handlungsstrang unmöglich besser werden kann als die Dialogzeile „I am sorry, I didn’t realize you can’t talk. My name is Audrey – what’s yours?“ und lässt ihn wieder fallen. Ebenso ergeht es später auch einer Polizeiszene. Recht so, hätte nur gelangweilt.

Armer Michael! Seine Frau säuft. Aus heiterem Himmel beschert uns der Film eine dramatische eheliche Auseinandersetzung. Warum? Darum! Doch, auf seine zerfahrene Weise ist der Film ordentlich gescriptet – die Szene mit Gough und Frau (Jeanne Cooper) funktioniert, als reiner human interest, recht gut. Hier werden Dinge versucht, an die Konga nicht im Traum gedacht hätte; dort lag der einzige human interest zwischen Gough und seinem hypnotisierten Affen. (In Horrors of the Black Museum hatte Gough einen hypnotisierten jungen Mann, ebenso wie die Schurken in den Herman Cohen-Produktionen I Was A Teenage Werewolf, I Was A Teenage Frankenstein und How To Make A Monster einen hatten. Die Konstellation in Black Zoo ist noch etwas beunruhigender.) Aber wir schweifen ab. Beinahe hätten wir verpasst, wie Elisha Cook einen Tiger erschießt und uns Gough zeigt, dass er sich bislang noch zurückgehalten hat. Mayhem ensues! Und die nächste Szene…

Aber mehr wird hier nicht verraten. Gewiss, Black Zoo ist eher das unausgegorene Update einer Monogram-Produktion aus den 40ern als ein Klassiker, aber wer braucht schon Klassiker, wenn er große Katzen in Panavision und Michael Gough in Ekstase sehen kann?

Black Zoo (Robert Gordon, USA 1963)

Bonus-Link: Jede Menge zeitgenössisches P.R.-Material zu BLACK ZOO.


Über den Autor

Andreas Poletz (1185 bis 1231), aus Chorazin gebürtig, beschrieb seine Seele als »einen schrecklichen Sturm, umhüllt von ewiger Nacht«, und behauptete, dass er aus Verzweiflung begann, seine Hände und Arme zu zerfleischen und mit den Zähnen bis auf die Knochen zu zernagen (incipit manus et bracchia dilacerare et cum dentibus corrodere useque ad ossa). Ist aber nicht wahr.

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