Blu-ray: Parasite Doctor Suzune – Genesis

(c) Tiberius Film

„So also sieht Hentai aus, wenn man daraus einen Live-Action-Film macht!“ – mit diesen Worten spottet ein User bei AsiaWiki über Parasite Doctor Suzune. Nun muss man wissen, ein Hentai ist eine völlig durchsexualisierte Variante der in Japan allseits beliebten riesengroßen Industrie der Mangakultur – und da gibt es alle möglichen Varianten, von harmlosem Blümchensex bis hin zur üblen Vergewaltigungsphantasie an Schulmädchen durch gefrustete Büromenschen. Warum es das gibt? Nun, die Darstellungen im normalen Spielfilm wären ganz einfach: verboten. Hier wird Verdrängtes, ansonsten Unmögliches kompensiert.

Parasite Doctor Suzune: Genesis springt mitten in die Geschichte hinein. Eine junge Büroangestellte überfällt urplötzlich unbändige Paarungslust, und schon bespringt sie ihren Abteilungsleiter. Zum Glück ist die spärlich bekleidete Suzune zur Stelle, denn schon kurz nachdem die manische Sexmaschine am Hosenschlitz des Vorgesetzten herumschmatzen konnte, greift sie behände ein: mit einem gezielten Griff in den Unterleib der Wütenden entfernt sie einen glibberigen Wurm, der eben, als gefährlicher Parasit, seinen Opfern eine unbändige Paarungslust einimpft. Aber eben auch: Kraft und Gewalt, was sie zu so etwas wie Sex-Zombies werden lässt. Es bleibt also alles in glaubwürdigem Rahmen.

Natürlich hat das alles einen Hintergrund, und der liegt, wer hätte es gedacht, in der Vergangenheit der Protagonistin selbst. Ein Trauma gilt es zu bewältigen mit dem Otosan, ihrem Herrn Papa. Und dieser ist Wissenschaftler. Erfahrene Genrespezialisten riechen nun freilich den Braten.

Parasite Doctor Suzune: Genesis ist trotz aller hanebüchener Abstrusitäten gar nicht so langweilig und nervig, wie man meinen könnte – und wie man mancherorts liest. Der Film pendelt sich als cronenbergianische No Budget-Variante irgendwo zwischen Machine Girl und einem gesichtslosen, modernen, lieblos kommerziellen Pinku ein, mit viel gefiltere und auch mal dem einen oder anderen anständigen Bild. Am besten hat mir der Frosch in der Gürteltasche der Heldin gefallen: der schnappt raus, wenn er wieder einen Parasitenlurch vernaschen kann. Und manchmal quakt er auch ganz friedlich. Kein Witz.

PS: Die Vorlage zu diesem Film ist übrigens ein Smartphone-Hentai. So etwas gibt es, natürlich, auch.

Japan: 2011; Regie: Ryu Kaneda.

Die Blu-ray  ist bei Tiberius erschienen, die übrigens mit nur sehr mäßigem Bild auffährt. Die Extras fallen angemessen „üppig“ aus: es gibt Trailer en masse. Sie sind inexistent, sozusagen. Also auch hier gilt: coitus interruptus.

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Über den Autor

Michael Schleeh schaut vor allem asiatische Filme. Seit ein paar Jahren betreibt er das Blog SCHNEELAND und schreibt Reviews für verschiedene Webseiten. Indisches Regionalkino ist sein aktuellstes Ding. ~~ Michaels Filmtagebuch: http://letterboxd.com/schneeland/ ~ Michaels Twitter: @mono_micha

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Ein Kommentar zu "Blu-ray: Parasite Doctor Suzune – Genesis"

  1. david 28. Juni 2014 um 13:31 Uhr · Antworten

    Und ich dachte schon, ich wäre der einzige, der diesen Film witzig, einfallsreich und unterhaltsam gefunden hat. Der Frosch hat es mir auch angetan… habenwill! Cronenberg ist natürlich thematisch eine naheliegende Assoziation (etwa mit SHIVERS).

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