Warrior of the Lost World

Von  //  29. Mai 2011  //  Tagged: , ,  //  6 Kommentare

Post-Apokalypse in Italien. Die Gesellschaft ist in Statisten und billige Darsteller zerfallen; never mind the gemähten Rasen und sauber asphaltierten Straßen. Persis Khambatta (aus Star Trek – The Movie) trägt Haare und Akzent, Donald Pleasence Glatze und schwer an alledem, Fred Williamson ist skeptisch. Dem Helden (Robert Ginty) wird erklärt, er wäre „the chosen“, ja tatsächlich „the One“, aber das läßt seine Darstellung auch nicht besser werden; ich vermute, dass er sein Essen selber kocht, denn ein Restaurantkellner würde seiner Bestellung nicht glauben. Freilich helfen die Dialoge auch nicht viel:

Heldin (vorwurfsvoll-flehend): „You gave me your word!“ (ergänze: to rescue my father from the evil despot – after all that’s why we entered his lair in which we are right now after having fought those mutants resembling left-overs from Turkish Star Wars)
Held (starrt resigniert auf ihren Haaransatz, ringt sich schließlich durch): „Oh shit, allright…“

Taranteln quietschen, als hätte man sie von Fulci ausgeliehen, ansonsten kommt Dialog dann vor, wenn man Exposition braucht oder sich an ein Klischee erinnert: Sätze wie „These caverns are treacherous“ haben nur in Biotopen wie diesem die 30er überlebt. Was fehlt uns noch? Über Klippen stürzende, frühzeitig explodierende Autos? Check. Schurken-Kanonenfutter in schwarzem Leder, Helm und Sonnenbrille? Check. Ein Zwerg (für Alex K.)? Check. Eine Disco-Zeitlupen-S/M-keine Ahnung-Show? Aber klar doch. Eine Hinrichtungsmaschine, die wie eine futuristische Parkuhr aussieht, aber dafür die Aufschrift „TRMNTR“ (sic) trägt? Yep – trust those clever Italians! Ein Motorrad, das sich benimmt wie der debile Bruder von KITT? Natürlich – was denn sonst?

Und dazwischen gibt’s Schießereien und Explosionen – wenn wir nicht eben eine monotone Big Brother-Lautsprecherstimme hören, die Dinge sagt wie: „… work must be neat and efficient… food and entertainment are provided… silence is its own reward… obey the laws and obligations… we are very well today, thank you…“

The Last Warrior – Kämpfer einer verlorenen Welt, Italien/USA 1983, Regie: David Worth


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Über den Autor

Andreas Poletz (1185 bis 1231), aus Chorazin gebürtig, beschrieb seine Seele als »einen schrecklichen Sturm, umhüllt von ewiger Nacht«, und behauptete, dass er aus Verzweiflung begann, seine Hände und Arme zu zerfleischen und mit den Zähnen bis auf die Knochen zu zernagen (incipit manus et bracchia dilacerare et cum dentibus corrodere useque ad ossa). Ist aber nicht wahr.

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6 Kommentare zu "Warrior of the Lost World"

  1. der Suk 6. August 2011 um 16:19 Uhr · Antworten

    Robert Ginty. Der Howard Carpendale des B-Movies. Zu seinen Filmen pflegte ich immer eine große Hass-Liebe. Filme wie „Hawaiian Heat“ und „Das Geheimnis des Grabmals am Nil“ haben mir damals die verregneten Videonachmittage versüßstofft. Ist 2009 ja leider verstorben, wie ich beim retro-googlen erfahren musste. Ginty war eine Type, die Tarantino bestimmt eines Tages wieder ausgegraben hätte.
    Hm. Ginty-Shirts und Puppen wird es wohl nun nicht mehr geben. Schade.
    Doch, ich muss sagen, der Trailer hat mir wieder Appetit gemacht. Und der „Atomkrieg-Motorrad-Satz“ ist wirklich wunderbar döblin-debil.

  2. Der Außenseiter 30. Mai 2011 um 12:53 Uhr · Antworten

    Mann, da habe ich gerade eine Ode an dieses Meisterwerk in der Pipeline und Du kommst mir zuvor. Dieser Film gehört mit weitem Abstand zum genialsten was ich in diesem Jahr gesehen habe. Unglaublich, unbeschreiblich, unerreichbar. Die Effekte, die Vertonung, fellinesker Kokain-Discotraum mit Geschlechterswitch, homophiles Treiben, Blofeld ist Omega, Fred Williamson der Verräter, Punks, Nazis, und die Eso-Sektenmitglieder, die im Kaftan durch die Lande fliegen, Wände, die nicht da sind, ein Held im falschen Film, Zombies als Höhlenmenschen, Roboterdoppelgänger mit Potenzproblemen und die Musik, DIESE MUSIK. Das Titelstück läuft seit Wochen jeden Tag mindestens einmal. Meine Frau und ich waren nach 20 Minuten so übergebügelt, dass wir dachten, wir schaffen den Film nicht. Das absolut abgefuckteste Mega-Kognitions-Dreifach-Fick-Rebound-Schwachsinns-IchhaudirindieFresse-Spektakel schlechthin. Und Berlusconi, diese mit ihrem Fernsehscheiß das italienische Genrekino ruinierende Ratte, hat hier gar nichts mit zu tun. Über den würde Ginty mit seinem Motorrad in das der Selbstgespräche führende Computer Einstein eingebaut ist solange drüber fahren, bis er platt wie ein Filmstreifen ist und man dann immerhin 1,54 m Material hätte, mit welchem man am besten eine Fortsetzung zu diesem grandiosen Werk beginnen könnte. Dann wäre dieser Popanz wenigstens doch noch zu was gut und könnte zumindest an der Fortsetzung seinen Anteil leisten. Mehr WARRIOR OF THE LOST WORLD und aktuelles Kino würde endlich wieder Spaß machen. Stürmt das Multiplex, besetzt den Bahnhof, fordert versiffte Kinositze und endlich wieder Kinos neben dem Bahnhofsgebäude, wo in jeder dritten Reihe ein benutztes Kondom den Platz veredelt und bringt uns solche Filme auf die große Leinwand zurück.

    Hugh, ich habe gesprochen!

    • Eckhard Heck 1. Juni 2011 um 23:05 Uhr ·

      ich hoffe du hast dich jetzt im Kommentar noch nicht zu sehr verausgabt (nehme es eigentlich nicht an) und gehe mal davon aus, dass deine eigene Besprechung auf den Fuß folgen wird. Freue mich drauf.

  3. Silvia Szymanski 30. Mai 2011 um 10:06 Uhr · Antworten

    Starke Besprechung, aber es scheint auch ein großartiger Film zu sein. Besonders schön finde ich im Trailer die säuberlich gleichmäßige Verteilung kaputter Autos und die Ansammlung toll zurechtgemachter Mädchen, besonders das Girl mit den Krücken. „Aus den Trümmern eines Atomkrieges hat er sein Motorrad gerettet“ ist ein toller Satz aus dem kollektiven archaischen Biker-Unterbewusstsein. Es tut im Herzen gut, all diese Autos kaputt gehen zu sehen.

  4. Whoknows 30. Mai 2011 um 07:11 Uhr · Antworten

    Es geht also um Silvio Berlusconi. Ich frage mich bloss, ob sie keinen Darsteller finden konnten, der ihm mehr ähnelt als Robert Ginty. Und Alex K. hätte sich über eine gelegentliche Bunga Bunga-Party sicher noch mehr gefreut als über den kryptischen Zwerg.

  5. Eckhard Heck 30. Mai 2011 um 01:51 Uhr · Antworten

    Man merkt dem Sprecher des Trailers deutlich seine Begeisterung an :)

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