I want your Love

Von  //  19. Oktober 2011  //  Tagged: , , , ,  //  Keine Kommentare

Können Mann und Mann Freunde sein oder kommt ihnen der Sex immer dazwischen? Zwei Freunde bei einem intimen Gespräch. Die Grenze zwischen Flirt und Gedankenaustausch ist schwamming, wenn überhaupt existent. Das erotische Knistern zwischen beiden wirkt ebenso wenig gestelzt wie die gemeinsame Vertrautheit. Mit den meisten Freunden hat man es sowieso schon getan, warum nicht miteinander probieren? Der Rest ist stöhnen, schmatzen, genießen.

I want your Love verzichtet auf einen dramaturgisch geschlossenen Plot, auf Wendungen und Überraschungen, auf eine Moral oder einen Twist, sondern lässt die Betrachtung für sich stehen. Regisseur Travis Matthews opfert seine wahrscheinlich aufwendig arrangierte Natürlichkeit weder der Erzählung noch der Abarbeitung pornografischer Standards, seien dies nun obligatorische Kamerapositionen, unbequeme aber für den Zuschauer spektakuläre Stellungen oder eben die stereotype Abfolge vom Blowjob bis zur Ejakulation. Die Nachlässigkeit von Kamera und Montage ist wunderbar, verschluckt etliche Bewegungen und lenkt den Blick oft auf scheinbare Nebensächlichkeiten und schert sich kein Stück darum, den Sex in gut ausgeleuchteter Übersichtlichkeit zu filmen.

Gerade der schwule Pornofilm, der noch mehr als der heterosexuelle auf Demütigung und Herabwürdigung zurückgreift um den immer extremeren Marktanforderungen genügen zu können, kann einen Typen wie Mathews wahrlich gut gebrauchen. Einen, der weiß wovon der redet, der mit den Befindlichkeiten seines Zielpublikums vertraut ist und seine Figuren nicht zu Pissrinnen oder Mundfotzen macht, um es im gängigen Vokabular zu formulieren. Man kann es auch Blümchensex nennen und langweilig finden aber es liegt nicht viel Falsches in diesem Film und das macht ihn von Grund auf sympathisch. Seine präzise Beobachtung macht ihn wahrscheinlich ebenso authetisch, was nicht zuletzt den hervorragend gecasteten Darstellern zu verdanken ist.

Das Pornfilmfestival widmet Travis Mathews dieses Jahr ein Filmmaker-in-Focus-Special. Mathews, von Beruf ursprünglich Psychotherapeut und über den Umweg der Dokumentation zur Pornografie gelangt, wird persönlich anwesend sein und den Trailer zu seinem kommenden Spielfilm (ebenfalls I want your Love betitelt) und In their Room: Berlin präsentieren – den zweiten Teil einer Filmreihe intimer Porträts schwuler Männer.

Zudem gibt es Einblicke in den Produktionsprozess, da Methews die Casting-Sessions zu seinem Film aufgenommen und mitgebracht hat. Kleine, ungewöhnlich persönliche Interviews, die für sich genommen als eigenständige Miniaturen funktionieren. Wie man sich das vorzustellen hat kann man auf dem Vimeo-Profil des Regisseurs betrachten, der dort ähnliche Schnipsel zu seinem 2009 erschienen In their Room: San Francisco präsentiert.

USA 2010 / Regie: Travis Mathews / 14 Min.

Über den Autor

Aufgewachsen inmitten der pulsierenden Film-Metropole Merkstein/Rheinland mit ihren schillernden Kino-Palästen, umgeben von hochkarätigen Stars, Regisseuren und Filmkritikern blieb Marco Siedelmann nicht viel anderes übrig, als selbst Filmjournalist zu werden. Er schreibt u. a. für critic.de, deadline und negativ.

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