Drei Gesichter

Von  //  10. Januar 2019  //   //  1 Kommentar

Unnötig öde. Der Drehort als Tatort – Der iranische Regisseur Jafar Panahi erzählt die Geschichte eines Aufschreis.

Heiner Müller, der gestern neunzig geworden wäre, behauptete, Diktaturen seien gut für die Kunst – als Garanten haltbarer (Verbote überstehender/überwindender) Werke. Dass eine Diktatur der Kunst nicht immer guttut, beweist Jafar Panahi, der seine Filme heimlich dreht und zwar unter dem doppelten Druck von Berufs- und Ausreiseverbot. Unnötig öde erzählt der iranische Regisseur in „Drei Gesichter“ die Geschichte eines Aufschreis. Die verkarstete Gegend der Handlung ist das Beste am Film. Panahi spielt sich selbst, als Begleiter der Schauspielerin Behnaz Jafari, der ein Selbstmordvideo zugestellt wurde. Auch Jafari spielt sich selbst als Celebrity der ersten Kategorie. Sie wird sogar von Schafen erkannt und muss Eseln Autogramme geben. Nach einer automobilen Pittoreske entdeckt das Traumpaar den Drehort nahe einer natürlichen Arena. Jafari und Panahi halten den Drehort auch für einen Tatort.

Städter erreichen die isolierte Einheit schwer mit sich selbst beschäftigter Talsohlenbewohner*innen. In deren Mitte lebt Marziyeh, die das Video gedreht hat, um die Stars vom Teheraner Himmel in ihre persönliche Einöde zu locken. Sie will raus und hoch hinaus. Jafari und Panahi sollen helfen. Alle anderen scheinen sich aber wohl zu fühlen in ihrer dörflichen Autonomie. Sie spielen nach eigenen Regeln, fahren auf eine interessante Weise Auto und haben eine Hupsprache, die auch noch in den nächsten Dörfern verstanden wird. Sie sind Vorhautfetischisten. Die Beschneidung der Knaben ist ein Großthema.
Ich will die kritische Ladung nicht kleinreden. Der Film formuliert Einwände gegen das Patriarchat und plädiert für eine Gleichberechtigung der Geschlechter im Agitationspopstil der Plakatkunst. Marziyehs Video kann man als Genieeinfall und visuellen Aufschrei betrachten.

Drei Gesichter, Spielfilm, Frankreich 2018. Regie: Jafar Panahi. Mit Behnaz Jafari, Jafar Panahi, Marziyeh Rezaei, Maedeh Erteghaei

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